Wenn man in Bruck am Freitagmorgen den Hauptbahnhof betritt, fühlt man sich nicht mehr wie ein Mensch, sondern wie ein Wild, das gejagt wird. Das ist zumindest das Gefühl des 25-jährigen Opfers, das sich am Donnerstag einem Raubüberfall ausgesetzt sah. Zwei Männer wollten ihm die Brieftasche entreißen, als er gerade auf dem Weg zur Arbeit war. Als er flüchten wollte, wurden die Täter handgreiflich. Mit einem Messer bedrohten sie ihn, bis er sich zur Wehr setzte und oberflächliche Schnittverletzungen erlitt.
Während das Opfer im LKH Bruck an der Mur behandelt wurde, begann die Polizei mit einer Großfahndung. Rund 30 Streifenwagen, darunter Spezialeinheiten, durchkämmten das Stadtgebiet und kontrollierten Züge und Verkehrsknotenpunkte. Ein Szenario, das an einen Actionfilm erinnert, aber ohne Happy End. Die Täter blieben verschwunden.
Nun fragt man sich: Was macht man als Opfer, wenn die Polizei versagt? Man fühlt sich wie ein missglücktes Tinder-Date, das nicht das bekommen hat, was es wollte. Nur dass es hier nicht um ein Date geht, sondern um das eigene Leben. Das Opfer fühlt sich verraten und verkauft, und das Vertrauen in die Polizei schwindet.
Die Suche nach den Tätern läuft weiter, aber das Opfer will nicht mehr. Es fühlt sich wie ein Bauer im Schachspiel, der von den Figuren auf dem Brett vergessen wurde. Es ist an der Zeit, dass die Polizei ihre Strategie ändert und sich auf die Suche nach den Tätern konzentriert, anstatt das ganze Städtchen in eine Überwachungszone zu verwandeln.