In den Höhen von Damüls versammelten sich 30 mutige Wanderer, die sich anscheinend vorgenommen hatten, den Frühling höchstpersönlich zur Strecke zu bringen. Mit Bahn und Bus machten sie sich auf den Weg, als ob sie in einem modernen Abenteuerfilm mitspielen würden. Die Reise begann also mit einem historischen Ereignis: der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Diesen Wanderern muss man lassen, sie sind zäh. Nicht nur, dass sie sich durch Schnee, Eis und Graupelschauer kämpften, sie taten dies auch noch mit dem Lächeln eines frischgebackenen Braunbärens, der gerade seine erste Honigwabe gefunden hat. Die Natur, dieser launische Diva, schien sich einen Spaß daraus zu machen, ihre Sturm- und Regen-Launen an den armen Wanderern auszulassen. Doch diese ließen sich nicht unterkriegen. Sie pfiffen auf die Wettervorhersage, als wäre es das neueste Modeaccessoire.
Den Gipfel erreichten sie schließlich mit der Ehrfurcht von Pilgern, die soeben den Heiligen Gral gefunden haben. Augenblicklich beschlossen sie, diesen Moment zu ewigem Andenken festzuhalten. Also baten sie die Berggeister, die Wettercapriolen zu stoppen, nur für diesen einen Perfect Shot. Und tatsächlich, die Natur zeigte sich gnädig – für genau drei Sekunden. Ein Bild von epischer Schönheit entstand, das die Wanderer stolz in die Welt hinausschreien konnten: "Seht her, wir haben den Berg bezwungen – und selbst die Götter mussten innehalten!"
Doch die wahre Enttäuschung kam später. Bei der Rückkehr ins Tal angelangt, stellten sie fest, dass die Busfahrt dauernder dauerte als die Wanderung selbst. Ein DJ hatte es sich in die Daumen geschoben, den Abend mit einer Auswahl an Schrammelmusik zu bereichern. Die Wanderer, deren Ohren bereits von den Windgeräuschen über den Gipfeln klingelten, waren plötzlich von einem Erben der Wiener Volksmusik gefoltert. Sie sehnten sich zurück nach den Graupelschauern, die ihnen im Vergleich wie ein sanftes Flüstern vorkamen.
Und so endete die traditionelle Frühlingswanderung in Damüls: die Wanderer mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Geschmack von Abenteuer auf der Zunge. Die Berggeister grinsten sich wahrscheinlich hinter ihren Wolkenbärten ins Fäustchen, während sie die Montur der Wanderer gründlich durchprügelten. Denn wer weiß? Vielleicht war es ja der legendäre Schrammel-Geist, der sie in die Höhe trieb – oder sie doch einfach nur verhexte.