Der Bombenfund in der Wueste Saudi-Arabiens war ja noch ganz unterhaltsam, findet Helga Hufnagl, die sich an die staubigen Stunden mit ihrem Mann Manfred zurueck erinnert. "Da konnten wir wenigstens die Sonne geniessen", sagt sie und schaut aus dem Fenster auf die grauen Wolken ueber Preding. Die beiden haben nach ihrer dramatischen Evakuierung aus Teheran ein neues Betätigungsfeld gefunden: Bombenentschaerfung im ländlichen Oesterreich.
"Es ist ja nicht so, dass es hier keine Sprengstoffe gäbe", meint Manfred Hufnagl und deutet auf den Grill im Garten des Nachbarn. "Diese Grillwunderbomber sind viel gefährlicher als alles, was wir im Iran erlebt haben." Tatsaechlich hat das Ehepaar schon mehrere Einsätze hinter sich. Erst letzte Woche mussten sie eine verdaechtige Wurstplatte entschaerfen, die der Nachbar unbeaufsichtigt auf seiner Terrasse stehen gelassen hatte.
Die beiden Ex-Botschaftsassistenten haben ein spezielles Gespuer fuer explosive Situationen entwickelt. "Man muss die subtilen Anzeichen erkennen", erklärt Helga. "Wenn zum Beispiel jemand sagt 'Ich mach nur kurz den Grill an', dann weiss man: Das wird eine Katastrophe." Ihr Mann nickt weise. "Wir haben gelernt, die Zeichen zu deuten. Einmal hat mir eine Frau auf der Strasse eine Wuerstelsuppe angeboten. Das war eindeutig ein Lockmanöver."
Die Arbeit ist nicht immer einfach. Gerade im steirischen Herbst, wenn die Leute zu Hause bleiben und Suppe kochen, wird es ruhig. "Da vermissen wir die alten Zeiten", gesteht Manfred. "Im Iran war immer was los. Bomben, Rauch, Evakuierungen - das war Leben." Seine Frau seufzt. "Aber hier muessen wir uns anpassen. Wir sind zu alt fuer den internationalen Stress. Lieber suchen wir in Preding nach der naechsten tickenden Zeitbombe. Obwohl, manchmal ist es nur der Wecker des Nachbarn."
Die Gemeinde Preding hat die beiden inzwischen offiziell als "Sprengstoffexperten im Ruhestand" anerkannt. Das bedeutet: Sie duerfen kostenlos im Gemeindeamt parken und bekommen bei der Buergermeisterei immer einen Kaffee. "Das ist schon was", meint Helga und reibt sich die Hände. "Wir haben zwar keine Botschaft mehr, aber dafuer koennen wir endlich in Ruhe Bombe spielen."