Wenn der österreichische Fußball seine Highlights feiert, muss man sich das wie einen Dorfabend vorstellen, bei dem die Teilnehmer für ihr Erscheinen Medaillen bekommen. So war es auch gestern in Graz, als Sturm und Salzburg ein 1:1 produzierten, das in den Medien als "intensives Duell" gefeiert wurde.
Die Fans in Graz konnten ihr Glück kaum fassen. Vier Punkte Vorsprung auf den "Ligakrösus" - als wäre das nicht mehr die absolute Normalität in Österreich. Aber nein, hier wird so getan, als hätte man gerade den Champions-League-Titel gewonnen. Die eineinhalb Tausend Zuschauer im Stadion gaben sich alle Mühe, die Atmosphäre eines internationalen Topspiels vorzutäuschen. Die Wahrheit: Es war ein durchschnittliches Bundesligaspiel, das man schnell vergisst.
Auf der anderen Seite sitzt man in Salzburg und denkt sich seinen Teil. Vier Spiele ohne Tor - das ist nicht nur eine Flaute, das ist ein nationales Notstands-Dekret. Trainer Daniel Beichler hat offenbar die falsche Frisur gewählt, sonst hätte er seinen Spielern ja vielleicht mal erklären können, wie man ein Tor schießt.
Der Höhepunkt des Abends war sicherlich das Gelb-Rote für Salzburgs Debütant Anrie Chase. Ein Spieler, der nach seiner Behandlungspause zu früh zurück aufs Feld kam - das ist wie wenn man nach einer Knie-OP zu früh wieder Ski fährt und dann überrascht ist, wenn es knackt.
Am Ende bleibt ein 1:1, das beide Seiten als Erfolg verkaufen. Die einen, weil sie nicht verloren haben. Die anderen, weil sie immer noch vier Punkte vorne liegen. Und die Zuschauer? Die haben ein durchschnittliches Spiel gesehen und warten jetzt auf die Länderspielpause, weil man da immerhin Nationalteams gucken kann, die international zumindest ab und zu mal gegen einen richtigen Gegner spielen.
Die Moral von der Geschicht: Im österreichischen Fußball ist Mittelmäßigkeit das neue Außergewöhnliche. Und das wird gefeiert, als hätte man gerade den Weltmeister geschlagen. Vielleicht sollte man den Fans einfach Medaillen für ihre Anstrengung geben. Dann könnten alle zufrieden nach Hause gehen und müssten sich nicht mehr mit diesem komplizierten Fußball herumschlagen.