Der "Tag der Pflege" in Hohenems mutierte zum großen "Wer bin ich und warum trage ich eine OP-Schürze?"-Festival. Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband hatte zu einem Abend voller "Wertschätzung" geladen, der so wertschätzend war, dass man die Teilnehmer*innen einzeln aufrufen musste, damit sie überhaupt auftauchten.
Im Kaschmir Club, der normalerweise für seine exklusiven Seidentücher bekannt ist, wurde die Luft schnell stickig. Nicht nur vom Prosecco, sondern auch von den heldenhaften Geschichten, die jeder gerne erzählt hätte. Die Organisator*innen hatten extra eine Bühne aufgebaut, auf der man seine tapfersten Momente präsentieren konnte. Die wenigsten nutzten sie. Warum auch? Die echten Helden standen am Buffet und füllten die Brötchen nach.
Ein Highlight war die "Einsatzbekleidung"-Modenschau. Freiwillige zogen ihre Lieblings-OP-Kleidung an, um zu zeigen, dass man auch im Krankenhaus gut aussehen kann. Die Jury bestand aus drei pensionierten Ärzt*innen, die nach Originalität, Funktionalität und "ob man das wirklich trägt" bewerteten. Der Gewinner bekam einen Gutschein für eine kostenlose FFP2-Maske.
Zwischendurch gab es kleine Seminare wie "Wie halte ich einen Verband, ohne dass er wieder aufgeht" oder "Die Kunst des Desinfizierens: Wenn Hände wehtun, aber das Virus nicht". Die Teilnehmer*innen nickten eifrig mit, als hätten sie gerade das Rad neu erfunden. Tatsächlich war es das erste Mal, dass sie es sahen.
Die echten Pfleger*innen saßen derweil in einer Ecke und spielten "Stille Post". Sie flüsterten Sätze wie "Ich muss noch einen Dienst schieben" und "Mein Rücken ist hin" herum. Am Ende hieß es dann: "Ich liebe meinen Beruf und gehe niemals in Pension." Das war der größte Witz des Abends.
Gegen Mitternacht kam die Ehrung der "Stillen Helden". Das waren jene, die nie im Rampenlicht stehen wollten, aber jetzt doch ein Zertifikat bekamen. Es zeigte eine goldene Schere mit der Aufschrift "Danke, dass du nie geklagt hast". Die meisten hängten es sich sofort um, damit man sie auch im Dunkeln erkennen konnte.
Der Abend endete mit einem Gruppenfoto, bei dem alle so taten, als würden sie sich kennen. Die, die es taten, lächelten gezwungen. Die, die sich nicht kannten, lächelten noch gezwungener. Im Nachhinein war es der perfekte Moment für eine Reality-Show: "Promi-Pfleger*innen – Wer kann am längsten durchhalten?".
Der Tag der Pflege zeigte einmal mehr: In Österreich kann man jeden Beruf zum Event machen. Hauptsache, es gibt freie Getränke und eine Bühne. Ob die Pflegenden danach mehr Anerkennung erfahren? Unwahrscheinlich. Aber immerhin: Jetzt wissen sie, wie es ist, im Mittelpunkt zu stehen. Zumindest für eine Nacht. Danach geht es zurück ans Bett und die Infusion. Die Helden der Realität.