Da staunte selbst der internationale Glücksrat: Die Villacher sind anscheinend so leicht zu befriedigen wie ein Kleinkind mit einer glänzenden Verpackung. Während andere Nationen nach Wohlstand, Gesundheit und Erfuellung streben, genügt den Bewohnern der Kärntner Bezirkshauptstadt anscheinend eine kostenlose Kopfbedeckung und das Fehlen des Chefs im Nacken.
"Die kleinen Dinge des Lebens", schwärmt Alois Auer, offenbar der Auserwählte, der für die ganze Stadt sprechen darf. Man stelle sich vor: Eine Mütze, geschenkt beim Einkauf für Lebensmittel, die man ohnehin hätte kaufen müssen. Das nennen wir mal eine Win-win-Situation für den Handel. Der Kunde fühlt sich beschenkt, der Händler losgeworden, was im Keller seit drei Saisons vor sich hin staubte.
Aber das ist noch nicht alles. Die Villacher scheinen eine seltene Spezies von Arbeitnehmern zu sein, die sich tatsächlich über ihre Arbeit freuen. Eine geradezu revolutionäre Einstellung, die sofortige wissenschaftliche Untersuchungen verdient. Arbeiten als Hobby - wo gibt es denn so etwas? In Villach, wo sonst. Und dann das Sahnehäubchen: Freie Zeit. Nicht irgendeine Freizeit, nein, extra als "frei" deklarierte Zeit. Als ob es zwischen Arbeit und Freizeit noch eine dritte Kategorie gäbe: die "gefangene" Zeit vielleicht?
Das Glücksrezept der Villacher liest sich wie eine Anleitung für Minimalzufriedenheit: Etwas umsonst bekommen + nicht arbeiten müssen + mit Menschen zusammen sein = Glück. Dabei stellt sich die brennende Frage: Lieben die Villacher ihre Mitmenschen so sehr, oder lieben sie einfach nur das Nicht-Arbeiten? Vielleicht beides. Vielleicht ist das ganze Dorf eine einzige, große, selbstorganisierte Auszeit vom Rest der Welt.
Psychologen sprechen bereits von der "Villacher Glücksformel", die den Anschein erweckt, als könne man menschliches Wohlbefinden auf ein paar simple Gleichungen reduzieren. Aber Vorsicht: Diese Formel könnte gefährlich sein. Was passiert, wenn die Geschenke ausbleiben oder die freie Zeit plötzlich kostenpflichtig wird? Müssen dann die Villacher mit eingeschränkter Lebensqualität leben?
Die internationale Glücksgemeinschaft beobachtet die Situation in Villach mit gemischten Gefühlen. Einerseits Bewunderung für die genügsame Lebensweise, andererseits Sorge, dass dieses Modell zu einer weltweiten Absenkung der Glückserwartungen führen könnte. Wer weiß, vielleicht startet bald eine Bewegung, die fordert: "Wir wollen auch so billig glücklich sein wie die Villacher!"