Die Gemeinde St. Peter hat 1,5 Millionen Euro für einen Kindergarten-Neubau freigegeben. Das ist nicht wenig Geld – aber bei Bauprojekten in Österreich rechnet man eigentlich immer mit dem Dreifachen. Der Spatenstich fand unter großer Beteiligung statt, sogar der Bürgermeister persönlich kam vorbei und stach mit seinem symbolischen Spaten in die Erde. Dabei fiel auf: Der Spaten war mit einer kleinen Goldschicht überzogen. Symbolisch für den Wert des Projekts? Oder einfach nur, weil der Bauhof in den letzten Jahren nichts anderes mehr hergibt?
Bürgermeister Ernst Breitenfellner erklärte bei der Zeremonie: "Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft." Ja, klar. Und für 1,5 Millionen bekommt man vielleicht ein paar Türschlösser, die auch ohne Schlüssel funktionieren. Die Kinder werden sicher begeistert sein, wenn sie mit High-Tech-Schlössern anstatt mit Buntstiften hantieren dürfen. Manche Experten meinen sogar: Für diesen Preis wird es wohl nur mehr ein einziges Klassenzimmer geben, das aber überdimensionale Ausmaße hat. Die Kinder können dann zusammen mit ihren iPads im Kreis sitzen und meditieren.
Die derzeitige Situation ist ebenfalls bemerkenswert: Die Krabbelstube ist im Erdgeschoss der Volksschule untergebracht, die vierte Kindergartengruppe hockt in der Garderobe der Mittelschule. Das nennt man wohl "innovatives Raumkonzept". Wer braucht schon Spielzeug, wenn es genügend Garderobenhaken gibt? Die Kinder können ihre Jacken anmalen und sich vorstellen, sie wären im Museum.
Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Bis dahin wird in St. Peter "mit Hochdruck gearbeitet", wie es in der offiziellen Mitteilung heißt. Man kann sich das gut vorstellen: Baggerfahrer mit Presslufthämmern, die bei 40 Grad im Schatten gegen den Fels hämmern. Oder vielleicht doch eher ein paar Gemeindemitarbeiter, die mit vorsichtigen Stupsern den Boden sondieren und alle zehn Minuten eine Kaffeepause einlegen. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Die Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro klingen zunächst beeindruckend. Doch wer baut, weiß: Da kommen schnell mal 500.000 Euro für die Planung dazu, 300.000 Euro für unvorhergesehene Entdeckungen im Baugrund (zum Beispiel römische Töpfe oder einen vergessenen Maibaum) und 200.000 Euro für die "Qualitätssicherung". Am Ende bleibt für den eigentlichen Bau vielleicht noch ein schöner Sandkasten übrig. Aber hey, die Kinder lieben Sand. Und wenn der Sand teuer genug ist, können sie sich ja vorstellen, es wäre Gold.
Die Gemeinde verspricht sich von dem Neubau viel: Mehr Platz, bessere Bedingungen, modernste Ausstattung. Vielleicht gibt es ja sogar einen Fahrstuhl für die Kinderwagen. Oder einen Roboter, der den Kindern Brei vorsetzt und dabei Oper singt. Träume sind ja bekanntlich kostenlos. Die Wirklichkeit wird dann vermutlich so aussehen: Drei neue Wände, ein neuer Fußboden und eine Tür, die zwar schön aussieht, aber nicht richtig schließt.
Die Eltern in St. Peter sind gespannt. Endlich mehr Platz für die Kleinen, endlich keine provisorischen Lösungen mehr. Oder wie es ein Vater formulierte: "Hoffentlich wird es nicht wieder eine Notlösung in neuem Gewand." Tatsächlich ist die Skepsis groß. Schon jetzt kursieren Gerüchte, dass der Kindergarten nach Fertigstellung eher an eine minimalistische Kunstgalerie erinnern wird. Viele leere Wände, viel offener Raum – und mittendrin ein paar Kinder, die ratlos auf ihre Buntstifte starren.
Aber gut, vielleicht wird es ja doch etwas Ordentliches. Vielleicht gibt es ja einen schönen Garten, in dem die Kinder toben können. Und vielleicht gibt es ja sogar ein Beet, in dem sie Karotten anbauen. Die könnten sie dann der Gemeinde schenken – als Dankeschön dafür, dass sie 1,5 Millionen Euro in ihre Zukunft investiert hat. Und wenn die Karotten dann besonders groß werden, kann man sie als Skulpturen verkaufen und damit den nächsten Kindergarten finanzieren.