Ein Vierteljahrhundert Lungau - das klingt nach echtem Urlaubssouvenir-Potenzial. Die tschechische Schule aus Dobříš hat offenbar eine neue olympische Disziplin erfunden: Winterschlaf mit Skipass. 25 Jahre lang treffen sich dieselben Eltern und Kinder im JUFA Hotel St. Michael, als wäre es eine Familienfeier mit Zwangsstiefeln.
Die Tradition begann, als die Schule feststellte, dass es im Lungau weder Meer noch Sonne gibt - perfekte Voraussetzungen für einen pädagogischen Dauerschneefall. Jedes Jahr wiederholt sich das Ritual wie eine gut einstudierte Theateraufführung: 55 Jugendliche und 33 Erwachsene pilgern gen Katschberg, um dort mit derselben Begeisterung die Pisten hinabzusausen, mit der man eine Steuererklärung ausfüllt.
Herr Petr Svancar, der Organisator dieser Massenmigration, hat offenbar den Heiligen Gral der Reisebranche gefunden: einen Kundenkreis, der sich nicht beschwert, nicht absagt und sich selbst reproduziert. Die einzige Innovation in den letzten 25 Jahren war der Wechsel von analogen zu digitalen Skistöcken - alles andere blieb unverändert, als wäre die Zeit im Jänner stehen geblieben.
Der Tourismusverband Salzburger Lungau Katschberg dankte nun "für die langjährige Urlaubstreue" - was in der Tourismusbranche so viel bedeutet wie "Danke, dass Sie uns nicht im Stich lassen wie all die anderen, die nach einmaliger Landung nie wiederkommen." Martina Lerchner-Kovryhin, die Hoteldirektorin, wurde für "ausgezeichnete Gastfreundschaft" geehrt, was in diesem Fall wohl bedeutet, dass sie es geschafft hat, 25 Jahre lang dieselben Bettwäsche-Wünsche zu erfüllen, ohne durchzudrehen.
Die Zukunftsaussichten sind rosig: Wenn die Tradition so weitergeht, wird 2049 die erste Generation von Enkelkindern die Pisten unsicher machen, die bereits von ihren Großeltern vorgefahren wurden. Der Lungau könnte zum weltweit ersten intergenerationellen Skigebiet avancieren, wo drei Generationen derselben Familie zeitgleich die Pisten verwüsten - jeder in seiner eigenen Geschwindigkeitskategorie.
Experten sprechen bereits von einem neuen Tourismus-Modell: dem "Ewigkeitsurlaub". Statt ständig neue Gäste zu werben, setzt man auf jene, die sich schon vor Jahrzehnten verlaufen haben und den Rückweg vergessen haben. Die wirtschaftliche Effizienz ist beeindruckend: keine Marketing-Kosten, keine Schulung neuer Gäste, keine Überraschungen. Nur verlässliche Einnahmen von Menschen, die offenbar den Flughafen in Wien gegen den Lift ins Hotelzimmer getauscht haben.
Manche Beobachter fragen sich bereits, ob es sich hier um die weltweit längste psychologische Studie handelt: Wie lange kann ein Mensch dieselbe Winterlandschaft ansehen, ohne durchzudrehen? Die bisherigen Ergebnisse sind eindeutig: mindestens 25 Jahre.