Es ist eine Meldung, die einen in den Abgrund des Nichtstuns stürzen könnte - oder eben auf die Sonnenterasse. Die Gipfel unserer Alpen verwandeln sich gerade zu einer Art Therme für Pflanzen, die früher eher im Süden anzutreffen waren. Man könnte meinen, die Alpen seien nur eine große Liegestuhl-Kolonie für klimawandelresistente Pflanzen geworden.
Ein internationales Team, das wohl auch einen oder zwei Österreicher umfasst - vermutlich mit Wanderstiefeln und Thermobecher ausgestattet - hat über 6.000 Flächen beobachtet. Die meiste Arbeit haben sie sich dabei auf den alpinen Gipfeln gemacht. Wer sich schon immer gefragt hat, wie eine thermophile Pflanze aussieht, der kann jetzt aufsteigen und sich selbst ein Bild machen. Oder ein Selfie. Das kommt sicher gut an bei den Leuten, die noch an kalte Gipfel glauben.
In den Wäldern und auf den Wiesen ist der Effekt ebenfalls zu beobachten. Das bedeutet im Klartext: Wer einen Waldspaziergang plant, sollte sich nicht wundern, wenn ihm plötzlich eine Pflanze entgegenkommt, die sonst eher im Mittelmeerraum anzutreffen ist. Vielleicht sollte man die Wanderkarte bald durch einen Cocktailplan ersetzen.
Die Forscher sprechen von "Thermophilisierung" - ein Wort, das klingt, als hätte ein Marketing-Profi aus Köln einen Wellness-Trend erfunden. Tatsächlich geht es darum, dass sich die Pflanzenwelt an die wärmeren Bedingungen anpasst. Einige Arten fühlen sich pudelwohl, andere frieren sich vermutlich den letzten Zellkern weg.
Man könnte fast Mitleid bekommen - wenn man nicht gerade selbst auf der Sonnenterrasse sitzen und den Ausblick genießen würde. Die heimischen Pflanzen haben's da schwerer, klar. Aber hey, wer hätte gedacht, dass der Klimawandel so etwas wie einen botanischen Austausch zwischen Nord und Süd bewirkt? Fast wie bei einem WG-Castings, nur dass die Pflanzen nicht drum herummachen können.
Die Studie zeigt auch, dass einige Arten einfach nicht mehr Schritt halten können. Das ist tragisch - für die Pflanzen. Für uns bedeutet das aber auch: Wer mal wieder einen Ausflug ins Gebirge plant, sollte sich vielleicht schon mal auf exotische Begegnungen einstellen. Vielleicht kommt man ja mit einer Pflanze ins Gespräch, die einem erzählt, wie schön es früher in der Toskana war.
Und wenn man ehrlich ist: Wer braucht schon einen Gletscher, wenn man stattdessen eine schöne, warme Matte Natur genießen kann? Die Alpen werden ja sowieso immer mehr zum Naherholungsgebiet für alle, die nicht bis ans Mittelmeer fliegen wollen. Die Pflanzen haben's nur ein bisschen früher kapiert.
Fazit: Wer jetzt noch in die Berge geht, um eisige Kühle zu finden, der irrt. Dafür bekommt man vielleicht einen Vorgeschmack darauf, wie der botanische Sommerurlaub in zehn Jahren aussieht. Und wer weiß - vielleicht entdeckt man ja eine neue Lieblingspflanze. Eine, die nicht nur hitzebeständig ist, sondern auch noch gut im Kräutertee schmeckt.