Wenn Fußballvereine unter einer längeren Durststrecke leiden, dann sind das meistens Tage des Bangens und der Verzweiflung. Beim Fußball-Zweitligisten Austria Lustenau ist die Situation jedoch besonders prekär: Seit mittlerweile 3164 Tagen warten die Vorarlberger auf einen Sieg beim FAC - und das nicht ohne Grund.
Denn was in Floridsdorf passiert, ist nichts anderes als ein sportliches Mysterium. Das letzte Mal, als die Austria dort als Sieger vom Platz ging, da war noch William als Verteidiger dabei. William! Ein Name, der in der heutigen Mannschaft mit Ehrfurcht ausgesprochen wird, als wäre er der letzte Überlebende einer untergegangenen Zivilisation. Und in gewisser Weise ist er das auch.
"Wir haben alle Möglichkeiten durchgespielt", sagt Trainer Markus Mader, der nachts in schwitzenden Träumen von den glorreichen Tagen 2017 heimgesucht wird. "Wir haben die Taktik umgestellt, die Formation geändert, sogar den Rasenmäher auf dem FAC-Platz bestochen - nichts hilft." Seine Spieler haben inzwischen angefangen, vor den Auswärtsspielen in Floridsdorf Talismane mitzubringen und rituelle Tänze aufzuführen. Der Maskottchen-Hahn "Kurtl" trägt inzwischen einen Talisman um den Hals.
Das Problem scheint tiefer zu liegen als nur auf dem Platz. Die FAC-Fans haben inzwischen einen eigenen Mythos um die Austria-Lustenau-Durststrecke gebildet. "Wir glauben, dass die Geister der alten Wiener Stadthalle noch immer dort wohnen", sagt ein FAC-Anhänger namens Karl. "Die wollen einfach nicht, dass ein Verein aus Vorarlberg dort gewinnt."
Die Austria-Spieler selbst haben resigniert. "Wir gehen da jetzt einfach nur noch hin und versuchen, die Ehre zu wahren", sagt Mittelfeldspieler Nico Gorzel. "Wenn wir wenigstens ein Unentschieden holen, ist das schon ein Erfolg." Dabei hatte die Mannschaft in der Hinrunde eine ihrer besten Saisonleistungen beim FAC gezeigt - und trotzdem nur 0:0 gespielt. Ein Ergebnis, das in Lustenau als persönliche Niederlage gewertet wird.
FAC-Co-Trainer Mario Leitner sieht die Sache entspannt: "Der Druck liegt aufseiten der Lustenauer. Die wollen aufsteigen, wir können." Mit diesen Worten hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn während die Vienna vor Selbstbewusstsein strotzt, sind die Austria-Spieler zu einem Haufen verunsicherter Minimalisten geworden, die nur noch darauf hoffen, nicht allzu schlecht dazustehen.
Das komische an der ganzen Sache ist, dass die Austria in der Tabelle ganz gut dasteht. Punkte gegen direkte Konkurrenz waren in der Hinrunde Mangelware, aber gegen die "kleineren" Vereine klappt es. Nur beim FAC will es nicht klappen. Es ist, als hätte der Verein einen persönlichen Fluch auf sich geladen.
Vielleicht sollte die Austria einfach mal eine neue Strategie ausprobieren. Eine Art Exorzismus auf dem Platz? Oder sie engagiert einen Mentalcoach, der den Spielern beibringt, wie man mit jahrelanger sportlicher Frustration umgeht. Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass William seine magischen Kräfte wiederentdeckt und die Durststrecke endlich beendet. Denn irgendwann ist auch die längste Durststrecke zu Ende - oder etwa nicht?