In Kirchberg ist die Amtswelt umtriebig wie ein Rind im Maibaum. Nicht nur, dass die Tierärztin mit der Amtskrawatte schon morgens eine beeindruckende Menge an Formularen ausgefüllt hat - nein, ein Unterländer Landwirt fand das offenbar alles noch zu bürokratisch und griff zur Selbsthilfe. Beim Überreichen eines Bescheids ging es plötzlich nicht mehr nur um Papier, sondern auch um eine unsanfte Schultermassage der besonderen Art.
Der Bauer, der seine Kühe offenbar mehr zähmen kann als Behördenmitarbeiter, packte die Amtstierärztin an der Schulter und gab ihr einen "klaren Hinweis". Ob das als sanfte Rüge oder als unsanfter Ruck gemeint war, darüber streiten sich mittlerweile Juristen und Physiotherapeuten. Fakt ist: Verletzt wurde niemand, aber die Schulter fühlte sich offenbar "verwarnt".
Das Landesgericht Innsbruck zeigte sich in seiner Urteilsbegründung besorgt über die zunehmende Selbstjustiz in Behördenfluren. "Wenn jeder mit körperlichem Nachdruck auf Verwaltungsentscheidungen reagiert, brauchen wir bald Bodyguards für jeden Formularstapel", so ein Sprecher. Die Richter denken sogar über eine neue Kategorie von Ordnungswidrigkeiten nach: "Unbefugtes Ruckeln ohne Genehmigung".
In der Landwirtschafts-Szene sorgt der Fall für geteilte Reaktionen. Die einen sehen im Bauernschlag eine Form von direkter Demokratie, die anderen fürchten um den Ruf der heimischen Landwirtschaft als Hort der Geduld. Die Tierschutzorganisationen halten sich bedeckt - vielleicht aus Angst vor einer unangemeldeten Schulterberatung.
Inzwischen hat die Amtstierärztin ein spezielles Schultertäschchen mit gepolsterten Trägern angeschafft und überlegt, ob sie künftig Bescheide nur noch per Katapult überreicht. Der Bauer hingegen will sich auf seine Kühe konzentrieren - schließlich haben die noch nie einen Bescheid angezweifelt, geschweige denn die Schulter gepackt.