Die Zeiten sind aus den Fugen, die Demokratie hat den Verstand verloren. Wie kann es sein, dass ein Bundeskanzler plötzlich seine geheimsten Termine offenlegen muss? Man stelle sich vor, was passiert, wenn bekannt wird, dass Stocker tatsächlich dreimal wöchentlich mit dem Präsidenten des Österreichischen Kaffeebauernbundes zusammentrifft. Die Skandalisierung wäre so groß, dass der Bundeskanzler gezwungen wäre, seine morgendliche Melange aus ökologischem Kaffeeanbau zur obersten Priorität zu erklären.
Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seiner grenzenlosen Naivität tatsächlich vorstellen können, dass Transparenz ein Wert an sich sein könnte. Als ob der österreichische Bürger tatsächlich wissen müsste, mit welchen Lobbyisten der Regierungschef pingpong spielt oder welchen Konzernboss er zum Wiener Schnitzel einlädt. Dabei ist es doch ein allgemein bekannter Fakt, dass Geheimhaltung der Klebstoff ist, der unser politisches System zusammenhält.
Stocker steht nun vor der Qual der Wahl: Entweder er öffnet seinen Kalender und lässt die Öffentlichkeit in seine heiligen Räume blicken, oder er erfindet eine neue, noch undurchdringlichere Geheimhaltungsstufe namens "Ultra-Vertraulich". In dieser Stufe dürften dann nur mehr jene Menschen Einsicht nehmen, die nachweislich seit mindestens fünf Generationen österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und einen eidlich abgegebenen Schwur auf den Geschmack von Marillenknödel geleistet haben.
Die Lobbyisten sind bereits in Alarmbereitschaft. Man munkelt, dass sie ihre Treffen mit dem Bundeskanzler jetzt in einer Art "Kalender-Bingo" dokumentieren werden. Wer als Erster alle Treffen mit allen relevanten Lobbygruppen abhaken kann, gewinnt einen exklusiven Abend mit Stocker bei einer Partie Tarock. Die Verlierer müssen sich mit einem virtuellen Handschlag zufriedengeben.
Doch nicht nur die Lobbyisten sind in Aufruhr. Auch die Journalisten stehen vor einer schweren Aufgabe. Wie sollen sie aus den Termindaten des Bundeskanzlers schlau werden, ohne sich in einem Labyrinth aus Meetings, Telefonaten und vermeintlichen Zufallsbegegnungen zu verlieren? Vielleicht sollten sie einfach eine KI entwickeln, die die Kalenderdaten analysiert und daraus eine Art "Lobbyisten-Roulette" macht. Wer weiß, vielleicht entdeckt die KI ja sogar noch versteckte Muster und Zusammenhänge, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.
Am Ende bleibt nur eine Frage: Werden wir jemals erfahren, was wirklich hinter den verschlossenen Türen des Bundeskanzleramts geschieht? Oder wird Stocker eine neue Form der Diplomatie erfinden, bei der Treffen nur noch im virtuellen Raum stattfinden und die Teilnehmer durch Avatare repräsentiert werden? Die Zukunft der österreichischen Politik bleibt spannend - und hoffentlich transparent genug, um uns allen ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.