Der neueste Clou im niederösterreichischen Weinbau kam diesmal nicht aus dem Fass, sondern aus dem Öffnungszeitzettel. Wer gedacht hatte, der Buschenschank sei ein Ort der Entspannung und Muße, der wurde bei Weingut Pelzmann eines Besseren belehrt. Hier hat man offenbar die Formel gefunden, um aus jedem Tag der Woche das Maximum an Konsum herauszupressen.
Montags bis freitags geht es beschaulich zu: Die Türen öffnen erst um 15 Uhr, pünktlich zur "Feierabend-Verwirrung". Da hat man den ganzen Tag Zeit, um sich mental auf das bevorstehende Weintasting vorzubereiten. Kein Stress, kein Hetzen – einfach gemütlich nach der Arbeit vorbeischauen, wenn der Akku ohnehin schon leer ist und die Urteilsfähigkeit auf einem Tiefpunkt.
Samstag und Sonntag sieht die Sache schon anders aus. Um 10 Uhr heißt es: Aufstehen, anziehen, und ab zum Frühschoppen! Wer braucht schon ein ausgewogenes Frühstück, wenn es hausgemachte Brettljausen und saisonale Spezialitäten gibt? Die geniale Idee: Wer um 10 Uhr beginnt, kann bis 22 Uhr durchhalten – und das sieben Tage die Woche. Das sind stolze 98 Stunden wöchentlicher Öffnungszeit, die man mit Weinverkostung und "leichtem Imbiss" füllen kann.
Die regionalen und saisonalen Spezialitäten sind dabei natürlich ein raffinierter Trick. Im Frühling gibt es vielleicht frischen Radieschen, im Sommer Tomaten und Mozzarella, im Herbst Maroni und im Winter... nun ja, halt das, was der Kühlschrank so hergibt. Aber Hauptsache, es passt zum Wein! Denn wer isst schon Brezeln zu einem edlen Grüner Veltliner? Das wäre ja eine Geschmacksverirrung!
Besonders clever ist die Taktik mit den Feiertagen. Diese werden kurzerhand zu "verlängerten Sonntagen" erklärt und um 10 Uhr aufgemacht. So können auch die Hartgesottenen, die sonst unter der Woche nicht zum Trinken kommen, an diesen Tagen mal so richtig Gas geben. Schließlich hat ja kein Mensch am Feiertag etwas Besseres vor, als den halben Tag in einer Buschenschank zu verbringen.
Die Kontaktinformationen verraten dann auch noch die ganze Tragik des Systems: Eine einzige Telefonnummer für alles. Ob man einen Tisch reservieren, sich über die Weinsorten informieren oder sich über die fragwürdige Öffnungszeitpolitik beschweren möchte – alles läuft über die 0664er Nummer. Das ist Effizienz pur! Und falls mal keiner rangeht, heißt es nur: "War wohl wieder einer dieser 14-Stunden-Sonntage – die arme Seele braucht jetzt erstmal eine Pause."