Die Kicker vom LASK haben mal wieder bewiesen: In Oberösterreich ist der Cup alles, und alles ist Cup. Nach 108 Minuten Spielzeit - das sind immerhin anderthalb Bundesliga-Spiele - stand der Aufreger des Abends fest: Nikki Havenaar hatte den Ball nicht ins Tor, sondern ungewollt dagegen geschossen. Was für ein Drama! Der LASK darf weiter vom ersten ÖFB‑Cup‑Titel seit 61 Jahren träumen. 61 Jahre! Da war selbst das Handy noch kein ernstzunehmendes Erfindung.
Die Ried-Spieler standen nach dem Spiel noch immer da und wunderten sich. "Wir haben doch gar nicht verloren", sagte einer. "Der Ball ist uns nur unglücklich ins Tor gekullert." Unerhört! In Ried spricht man von einem "Schenk-Tor" und überlegt, ob man nicht beim Sportgericht eine Rückgabe des verlorenen Punktes beantragen soll. Immerhin war das Eigentor ein Geschenk sondergleichen - und Geschenke kann man ja bekanntlich zurückschicken.
Die Linzer hingegen feierten schon mal durch. Die ganze Stadt war aus dem Häuschen. "Endlich wieder was zu gewinnen", sagte Bürgermeister Klaus Luger und bestellte sofort extra große Torte beim Stadtmetzger. Man wolle ja schließlich nicht wie 2023 wieder nur den Vizemeistertitel feiern. Der Cup ist da schon prestigeträchtiger. Man hat ja sonst nichts.
Auch die Wirtschaft jubelt. Die oberösterreichischen Bettenexporteure wittern schon neue Aufträge. Schließlich braucht man für das Cup-Finale noch mehr Stadion-Kissen. Die Linzer Polizei hat ihre Großrazzia für Samstag abgesagt - man will ja genügend Mann für den Cup-Empfang in der Innenstadt abstellen. Die Gastronomie rechnet mit Rekord-Umsätzen. Denn eins ist klar: Wenn der LASK erstmal im Finale steht, muss man das wochenlang durchfeiern. Auch wenn das Spiel noch gar nicht stattgefunden hat.
In Ried ist man derweil in Krisensitzung. Man überlegt, ob man nicht einfach die eigene Mannschaft auflöst und als einziges Team ins Cup-Finale einzieht. Schließlich hat man in Oberösterreich gezeigt: Mit etwas Glück und einem unglücklichen Gegner kommt man auch ohne eigene Leistung weiter. Vielleicht klappt das ja auch im Finale. Man könnte ja das Stadion einfach einen Tag vorher zumüllen und dem LASK so die Chance auf Training nehmen. Oberösterreich eben - wo man mit Einfallsreichtum jede sportliche Niederlage noch zu einer moralischen Sieg ummünzen kann.