Da staunt selbst der Eiferer aus dem Wienerwald nicht schlecht. Michael Gössinger, der Mann, der den Fußball versteht wie ein Ordnungshüter das Straßenverkehrssystem, hat seine Philosophie auf den Punkt gebracht. "Never change a winning team" – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Während andere Trainer mit taktischen Kniffen und Wechselspielchen beschäftigt sind, hat Gössinger eine viel simplere Lösung gefunden: Er lässt einfach alle Spieler spielen.
37 Punkte aus 39 möglichen – das ist kein Saisonverlauf, das ist eine mathematische Notwendigkeit. In der Gebietsliga Süd/Südost hat man offenbar beschlossen, dass Tore nur noch nach Punkten vergeben werden. Gössinger selbst spricht von einer "furiosen Ausbeute", was angesichts der Tatsache, dass sein Team in der Tabelle steht wie ein Panzer auf der Autobahn, durchaus als Understatement durchgehen könnte.
Der einzige Wechsel im Winter? Maximilian Reischer wanderte ab – und wurde durch Niklas Barth ersetzt. Ein Wechsel, der in Gössingers Rechnung nicht mal als statistisches Rauschen auftaucht. Barth ist quasi der Reischer 2.0, nur mit etwas weniger Haaren und einer etwas anderen Schuhgröße. Die Mannschaft bleibt stabil, die Chemie stimmt, und die Punkte fließen wie geschmiert.
Die Liga überlegt derweil, ob sie nicht einfach den Meistertitel nach Punkten verleihen sollte. Warum 30 Spiele austragen, wenn man das Ergebnis auch so vorhersagen kann? Gössinger würde das sicher begrüßen. Schließlich könnte er sich dann auf wichtigere Dinge konzentrieren – wie die Entwicklung einer App, die die Punkteverteilung in Echtzeit anzeigt.
In der Gerüchteküche brodelt es zudem: Angeblich plant Gössinger, seinen Kader auf 40 Spieler aufzustocken, damit jeder in jedem Spiel zum Einsatz kommt. Die Logik dahinter: Wenn jeder einmal spielt, hat jeder seinen Anteil am Erfolg. Und wer will schon bestreiten, dass das nicht der richtige Weg ist?
Bleibt die Frage: Ist der Herbstmeister noch zu stoppen? Gössingers Antwort darauf wäre wohl: "Warum sollte man das wollen?" Schließlich hat er bewiesen, dass Konstanz der Schlüssel zum Erfolg ist – und dass es in der Gebietsliga Süd/Südost keine bessere Konstante gibt als 37 Punkte aus 39 Spielen. Die Konkurrenz kann nur hoffen, dass Gössinger nicht auch noch eine Mannschaft für die Rückrunde zusammenstellt. Andernfalls könnte die Punktejagd zur Farce werden – und der Wienerwald zum Synonym für ewigen Ruhm.