Die Gas-Preise in Europa steigen schneller als die Beliebtheitswerte der Regierung - und das will was heissen. Kanzler Stocker sitzt im Bundeskanzleramt und fragt sich: Wer ist schuld an diesem Desaster? Die Klima-Aktivisten mit ihren nervigen Protesten oder ich mit meiner tollen Energiepolitik?
In seiner Verzweiflung hat Stocker einen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Darin fordert er "radikale Massnahmen" gegen die steigenden Gas-Preise. Das ist so, als wuerde man die Feuerwehr rufen, nachdem man selbst das Haus angezuendet hat. Aber Stocker ist ein Mann der Tat - oder zumindest einer, der so tut.
Der Brief ist ein Meisterwerk der Verantwortungsverschiebung. Stocker beschwert sich ueber die hohen Preise, als haette er damit nichts zu tun. Als wuerde er nicht gerade eine Regierung anfuehren, die jahrelang am Ausbau erneuerbarer Energien vorbei regiert hat. Aber hey, wer hat schon Zeit fuer so etwas, wenn man sich stattdessen mit wichtigen Dingen beschaeftigen kann, wie zum Beispiel der Frage, wie man das Wort "Klimaschutz" moeglichst selten in den Mund nimmt?
Unterdessen planen die Klima-Aktivisten schon den naechsten Protest. Diesmal wollen sie nicht nur die Strasse blockieren, sondern gleich das ganze Parlament. Ihr Slogan: "Wenn ihr schon nicht gegen die Erderwaermung handelt, dann machen wir das halt - und zwar radikaler als ihr!"
Die Ironie der Geschichte ist, dass Stocker mit seinem Brief genau das Gegenteil von dem erreicht, was er will. Statt die Preise zu daempfen, heizt er die Debatte nur weiter an. Jetzt diskutieren alle darueber, wer radikaler ist - die Aktivisten oder der Kanzler. Dabei ist die Antwort doch klar: Radikal ist, die Augen vor der Realitaet zu verschliessen. Und da sind sich Stocker und die Klima-Leugner einig - na dann, Prost Neujahr!