Wenn man im Leben schon nicht den Nobelpreis abräumt, dann kann man sich ja zumindest mit einem Ehrenring begnügen. So dachte sich das wohl Bundespräsident Alexander Van der Bellen, als er am Mittwoch in der Wiener Hofburg mal wieder zur Schmuckkiste griff und 18 jungen Wissenschaftlern einen Ring an den Finger steckte. "Sub auspiciis praesidentis" - klingt nach Staatsakt, ist aber im Grunde genommen nur ein glänzendes Trostpflaster für Leute, die in ihrem Doktorat keinen einzigen Fehler gemacht haben.
Einer der Glücklichen war Immanuel Plangger von der Universität Innsbruck, der in Chemie promovierte. Chemie! Das Fach, in dem man normalerweise stinkende Flüssigkeiten mischt und hofft, dass nichts explodiert. Doch Plangger hat es geschafft, all das so brillant zu meistern, dass er nun einen Ring tragen darf, der vermutlich mehr gekostet hat als sein gesamtes Chemielabor in der Studenten-WG.
Der Bundespräsident jedenfalls wirkte bei der Übergabe sehr würdevoll. Er schüttelte Hände, lächelte in die Kameras und überreichte die Ringe mit der Ernsthaftigkeit eines Mannes, der gerade die Nuklearcodes übergibt. Dabei hätte er genauso gut Gutscheine für den nächsten Burger-King aushändigen können - der symbolische Wert wäre derselbe gewesen.
Denn was bedeutet ein Ehrenring schon, wenn nicht, dass man etwas ganz Besonderes geleistet hat? Etwa so Besonderes wie jene Studenten, die ihre Diplomarbeiten in rekordverdächtiger Zeit geschrieben und dabei nicht nur Kaffee, sondern auch ihre Gesundheit ruiniert haben. Die bekommen keinen Ring. Die bekommen höchstens einen schmerzenden Rücken und die Frage ihrer Mutter: "Und jetzt machst du wirklich noch einen Doktor?"
Die Ringe jedenfalls werden die neuen Doktoren nun stolz tragen. Bei Bewerbungsgesprächen können sie damit angeben: "Ja, ich habe summa cum laude promoviert und bekam dafür einen Ring." Der Personaler wird dann beeindruckt nicken und denken: "Super, der hat nicht nur Ahnung von Chemie, sondern auch von Modeschmuck."
Dabei könnte man sich fragen, warum man nicht einfach mehr Geld in die Forschung steckt, anstatt teure Ringe zu kaufen. Aber nein, Österreich liebt seine Zeremonien. Lieber überreicht man einen glänzenden Fingerreif als die tatsächlichen Probleme im Wissenschaftsbetrieb anzugehen. Hauptsache, es gibt Fotos für die Zeitung und die Beteiligten können sich ein bisschen wichtig fühlen.
Am Ende des Tages wird Immanuel Plangger seinen Ehrenring in die Schublade legen und sich wieder seiner eigentlichen Arbeit widmen. Vielleicht wird er ja irgendwann etwas erfinden, das die Welt verändert. Aber einen zweiten Ring wird er dafür nicht bekommen. Denn Sub-Auspiciis-Ringe sind limitiert - genau wie die Anerkennung, die unser Land talentierten Köpfen wirklich entgegenbringt.