Liebe Leserinnen und Leser, was für ein prächtiger Tag für die deutsche Literatur! In Leipzig wurde gerade der Buchpreis verliehen, und die Jury hatte offenbar beschlossen, dass die beste Art, einen Roman zu beschreiben, darin besteht, so lange zu schwafeln, bis der Leser nicht mehr weiß, worum es eigentlich geht. "Meisterliche Vorführung", "Fabulieren", "Sanfter Spott" - klingt fast wie eine Beschreibung einer besonders langweiligen Familienfeier, nicht wahr?
Katerina Poladjan gewann für "Goldstrand", einen Roman über einen alternden Regisseur in einer bröckelnden Villa in Rom. Wie originell! Ein alternder Künstler in Italien, der über sich nachdenkt - da hat sich die Jury aber wirklich ins Zeug gelegt mit der Innovation. Aber hey, zumindest ist die Villa bröckelnd, das ist doch was Neues, oder? Vielleicht ist der ganze Preis ja nur eine raffinierte Marketingstrategie der italienischen Bauindustrie, um den Abriss von Altbauten zu fördern.
Und dann ist da noch unser Norbert Gstrein aus Tirol, der mit "Im ersten Licht" nominiert war. Die Jury lobte das Buch als "kunstvoll" und "vielschichtig". Na, das ist ja ein Trost! "Vielschichtig" ist so etwas wie die literarische Version von "interessant", wenn man eigentlich sagen will: "Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist." Aber immerhin hat er nicht den Preis gewonnen, sonst müssten wir ja in Zukunft mit noch mehr Tiroler Autoren rechnen, die über elementare Fragen unserer Gegenwart nachdenken. Gott bewahre uns davor!
Der Preis für die beste Übersetzung ging an Manfred Gmeiner aus Wien. Der hat "Unten leben" vom peruanischen Autor Gustavo Faverón Patriau übersetzt. Die Jury schwärmte von "spielerischer Eleganz" und "magischem Funkeln der Poesie". Wow, das klingt ja fast so, als hätte jemand lateinamerikanische Literatur zum ersten Mal entdeckt! Aber hey, zumindest bekommen wir Österreicher mal ein bisschen Anerkennung für unser Deutsch. Vielleicht sollten wir jetzt alle anfangen, uns als "spielerisch-elegante Dichter mit magischem Funkeln" zu bezeichnen. Das würde unser Selbstwertgefühl bestimmt enorm steigern.
Und dann gab es da noch Marie-Janine Calic, die den Sachbuchpreis für "Balkan-Odyssee" gewonnen hat. Die Jury lobte ihre "enorme und akribische Recherche". Na, da haben wir ja mal wieder das typische deutsche Phänomen: Wenn man lange genug recherchiert, wird aus einer interessanten Geschichte irgendwann ein "enormes und akribisches Werk". Vielleicht sollte ich mal anfangen, über meine Steuererklärung zu schreiben - da habe ich auch jede Menge akribische Recherche betrieben!
Fazit: Der Leipziger Buchpreis ist eine wunderbare Veranstaltung, bei der sich die deutsche Literatur selbst feiert und dabei so klingt, als würde sie gerade eine besonders schwierige Abschlussprüfung im Fach "Beschwipstes Geschwafel" ablegen. Aber hey, zumindest werden die Preise mit jeweils 15.000 Euro dotiert - genug Geld, um eine Villa in Rom zu kaufen, die dann in ein paar Jahren auch schon wieder bröckelt. So bleibt die Literaturwelt im Gleichgewicht.