Die Eröffnung der Diagonale 26 hätte man auch als Selbsthilfegruppe für Geräuschempfindliche durchgehen können. Mitten im Grazer Kongresshaus versammelten sich Dutzende Filmfreunde, um gemeinsam gegen die Tyrannei der Megafons zu rebellieren. Nicht etwa gegen das technische Gerät an sich, nein - gegen seine Besitzer.
"Das Problem ist nicht nur das Megafon, sondern unser Umgang damit", verkündete eine der Intendantinnen und erntete zustimmendes Nicken von den Anwesenden. Man sah ihnen förmlich an, wie sehr sie unter den Vollidioten mit ihren Lautsprechern gelitten hatten. "Wir müssen die Dinge beim Namen nennen", fuhr sie fort. "Und zwar mit normaler Zimmerlautstärke."
Dabei blieb es nicht. In einem beispiellosen Akt der Verzweiflung verkündete man die Gründung der "Initiative für vernehmliche Dummheit". Das Ziel: Vollidioten sollten lernen, ihre Geistesblitze leiser zu kommunizieren. "Stellen Sie sich vor, ein Vollidiot flüstert seine abstrusesten Theorien", schwärmte ein Teilnehmer. "Das wäre die Hölle, aber zumindest eine höfliche Hölle."
Die Festivalbesucher übten bereits fleißig. Inmitten der Eröffnungsfeier bildeten sich spontane Flüstergruppen, in denen man sich über die "Megafon der Vollidioten" austauschte - und das, wohlgemerkt, in regulärer Sprechhöhe. "Wir wollen nicht länger schreien, nur um gehört zu werden", erklärte ein junger Filmemacher. "Ab sofort flüstern wir unsere Absurditäten in die Welt."
Die Diagonale 26 hatte somit nicht nur einen neuen thematischen Schwerpunkt gefunden, sondern auch eine Revolution ausgelöst. Die Frage bleibt: Wird die "Initiative für vernehmliche Dummheit" Erfolg haben? Oder werden die Vollidioten weiterhin ihre Megafone schwingen, bis selbst die leisesten Flüstertüren als zu laut empfunden werden?