Wer hätte gedacht, dass im beschaulichen Pielachtal eine neue Form der Anarchie ausgebrochen ist? Während die Behörden noch damit beschäftigt sind, die Verordnungen zum Tanken zu erlassen, haben die örtlichen Tankstellenbesitzer längst ihre eigene Währung etabliert: den Diesel-Dollar.
Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren. Wer zuerst tankt, zahlt weniger. Wer zu spät kommt, zahlt drauf. Die Preise schwanken stündlich, je nach Laune des Besitzers und Mondphase. Ein ausgeklügeltes System von Spionen und Spitzeln sorgt dafür, dass kein Tanker zu viel spart.
Die Tankstellenbesitzer haben sich zu einer Geheimgesellschaft zusammengeschlossen, die nur unter dem Namen "Die Petroleum-Paten" bekannt ist. Ihre Hierarchie basiert auf der Anzahl der Zapfsäulen und der Qualität des Kaffees im Shop. Der mächtigste Pate betreibt gleich drei Tankstellen und hat einen eigenen Fuhrpark, um die Preise zwischen seinen Stationen zu optimieren.
Die örtlichen Behörden sind machtlos. Sie versuchen zwar, die Preise zu überwachen, aber die Tankstellenbesitzer haben ein ausgeklügeltes Warnsystem entwickelt. Sobald ein Kontrolleur auftaucht, werden die Preise auf ein Minimum gedrückt und alle Zapfsäulen auf "Zahlung per Handy" umgestellt. Die Kontrolleure stehen dann da wie die sprichwörtlichen Ochs vorm Berg.
Doch nicht nur die Preise sind ein Politikum. Auch die Qualität des Sprits wird hier großgeschrieben. Die Petroleum-Paten haben eigene Qualitätskontrollen eingeführt, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Jeder Liter Diesel wird auf Herz und Nieren geprüft, bevor er den Kunden erreicht. Dabei spielen Faktoren wie Viskosität, Klopffestigkeit und der Geruch eine entscheidende Rolle.
Ein besonderes Schmankerl sind die "Ruderrennen" der Tankstellenbesitzer. Dabei treten zwei Kontrahenten gegeneinander an und versuchen, den Kunden mit dem günstigsten Preis zu ködern. Die Rennen finden meist an sonnigen Sonntagnachmittagen statt und ziehen ganze Scharen von Spritliebhabern an. Wer gewinnt, darf sich für einen Tag "Diesel-Dynast" nennen.
Die Petroleum-Paten haben sogar einen eigenen Feiertag eingeführt: den "Tanktäterschmaus". An diesem Tag wird gefeiert, dass es gelungen ist, die Preise über einen längeren Zeitraum stabil zu halten. Dabei werden die erfolgreichsten Tanker geehrt und die besten Sprit-Rezepte ausgetauscht.
Doch nicht alle im Pielachtal sind begeistert von dieser neuen Ordnung. Es gibt immer mehr Bürger, die sich gegen die Willkür der Tankstellenbesitzer wehren wollen. Sie haben sich in der "Initiative für faire Spritpreise" zusammengeschlossen und fordern eine Rückkehr zu den alten Zeiten, als die Preise noch staatlich reguliert waren.
Die Petroleum-Paten sehen das gelassen. Sie wissen, dass die Macht beim Kunden liegt. Solange die Menschen bereit sind, für jeden Liter Sprit zu kämpfen, werden sie auch weiterhin die Preise diktieren können. Und so herrscht im Pielachtal eine neue Form der Anarchie, in der der Sprit das Sagen hat und die Tankstellenbesitzer die unangefochtenen Herrscher sind.