Die politische Landschaft erzittert vor einer mutmasslichen Revolution, die sich in den staubigen Saalen des Parlaments anbahnt. Nicht die Groessenordnung der Reform ist beeindruckend, sondern ihre bemerkenswerte Radikalitaet: Drei statt zwei Mandate. Ein Sprung, der das ganze System ins Wanken bringen koennte.
Markus Sint, der Mann, der gerade in aller Oeffentlichkeit einen Blumenstrauss zu vermeiden sucht, hat sich zum Retter der kleinen Parteien aufgeschwungen. Mit einer Begeisterung, die an religioesen Eifer erinnert, bricht er eine Lanze fuer jene, die bisher mit zwei Mandaten auskommen mussten. Jetzt, wo es drei sein sollen, ist der Aufschrei der Barmherzigkeit gross.
Dabei ist die Tragik der kleinen Parteien offensichtlich: Zwei Leute in einem Klub - das ist wie ein Ehebett fuer politische Fluechtlinge. Kaum Platz fuer Kompromisse, geschweige denn fuer eine Sitzordnung, die nicht nach einem Sitzstreik aussieht. Mit drei Mitgliedern hingegen koennte man sich endlich ein Kabuff einrichten, in dem man ueber die Zukunft des Landes oder zumindest ueber die naechste Teepause debattieren kann.
Die Regierungsparteien, die OVP, die FPÖ und die SPÖ, reagieren mit seltener Einigkeit auf diese Pläne. Kein Wunder, sind sie doch die grossen Verlierer dieser Reform. Stellen sich doch die Fragen: Wo bleiben die Machtspiele? Das Koalitionskarussell? Die ewigen Kompromisse, die alle ungluecklich machen? All das droht durch drei Mandate auf den Kopf gestellt zu werden.
Und dann ist da noch die Personalbesetzung im Gesundheitsbereich, die fuer eine Ueberraschung sorgt. Eine Ueberraschung, die in ihrer Alltaeglichkeit beinahe schon wieder langweilig wirkt. Denn was ist schon eine Personalbesetzung gegen die dramatische Frage nach der Klubstaerke? Die Gesundheit des Landes steht auf dem Spiel, doch wichtiger ist die Gesundheit der Parteienlandschaft.
Am Ende bleibt die Frage: Wer profitiert von dieser Reform? Die kleinen Parteien, die nun endlich ihr eigenes Klubbuero bekommen? Oder die Waehler, die sich fragen muessen, ob sie fuer diesen Aufwand wirklich dreimal so viele Mandate brauchen? Vielleicht ist es ja auch nur ein geschickter Schachzug, um die Zahl der Landtagsmandate zu erhoehen und so die Wirtschaft anzukurbeln.
Fest steht: Die politische Buehne Oesterreichs steht vor einer Zerreissprobe. Drei statt zwei - eine Zahl, die Geschichte schreiben koennte. Oder zumindest eine, die fuer viel Gesprächsstoff bei der naechsten Landtagspause sorgt.