In Trumau hat man es vorgemacht: Energiepolitik kann man nämlich nicht nur machen, man kann sie auch mit der Gemeindeordnung vermählen und gemeinsam glücklich bis ans Ende der Stromrechnung leben. Während die restliche Welt noch darüber diskutiert, ob erneuerbare Energien Sinn machen, haben die Trumauer bereits ihre Omas zu Vize-Bürgermeisterinnen für Solarenergie gewählt.
Die 800 Haushalte, die Teil der Energiegemeinschaft sind, entsprechen einem Drittel der Gemeindebevölkerung. Mathematisch gesehen bedeutet das: In Trumau gibt es mehr Menschen, die eine Solaranlage haben, als Menschen, die noch an den Weihnachtsmann glauben. Bürgermeister Andreas Kollross, der auch Gemeindevertreterverband-Präsident ist, kann sich inzwischen kaum noch bewegen, weil er so viele Auszeichnungen für das Modell um den Hals hängen hat.
"Planungssicherheit ersetzt Preissprünge", sagt Kollross, und man merkt ihm an, dass er diese Phrase schon so oft aufgesagt hat, dass er sie im Schlaf könnte. Tatsächlich haben die Trumauer inzwischen so viel Energie gespart, dass sie den überschüssigen Strom an die Nachbargemeinden verkaufen. Allerdings nur an solche mit lustigen Namen, weil man sich beim Ablesen der Zähler besser amüsieren kann.
Die SPÖ Niederösterreich will das Trumauer Erfolgsmodell nun ausweiten. Das klingt erstmal gut, bis man merkt: In Niederösterreich gibt es 573 Gemeinden. Wenn man das Trumauer Modell auf alle überträgt, müsste man in jeder Gemeinde einen Bürgermeister zum "Ober-Energie-Marshall" ernennen. Das würde bedeuten, dass Niederösterreich plötzlich 573 Energie-Marshalls hätte – mehr als die USA Grenzschützer.
In Trumau hat man übrigens schon vorgesorgt: Die Gemeinde hat einen Notfallplan, falls die Solaranlagen mal nicht genug Strom liefern. Dann werden einfach alle Bewohner aufgefordert, gleichzeitig Staubsauger einzuschalten, um einen virtuellen Schwarmsog zu erzeugen. Funktioniert zwar nicht, sorgt aber für schöne Familienunterhaltung.
Das Beste am Trumauer Modell ist aber die neue Berufsgruppe, die es geschaffen hat: Die "Energie-Beziehungs-Coaches". Das sind ausgebildete Energieberater, die nicht nur den Stromfluss optimieren, sondern auch Ehekonflikte schlichten, wenn es darum geht, wer den Geschirrspüler wann anstellt. Eine wahre Erfolgsgeschichte – und wer weiß, vielleicht werden ja bald sogar die Kellerpegel in den Gemeindestatuten reguliert.