Die EU-Staats- und Regierungschefs haben auf ihrem Gipfel eine "unverzuegliche Einstellung" der iranischen Angriffe auf europaeische Energieversorgung gefordert. Ein kuehner Schritt, zumal Iran bislang noch keine einzige Rakete auf ein Atomkraftwerk oder eine Oelbohrplattform abgeschossen hat.
Laut internen Gipfel-Dokumenten hatten die Teilnehmer in einem hitzigen, elfstuendigen Disput eine Liste mit 47 moeglichen "Energie-Aggressionen" des Iran zusammengestellt. Darauf finden sich Klassiker wie "Sabotage an Windraedern durch Sandsturm" und "unerlaubtes Nachtleuchten, das Solarzellen stoert". Die Liste endet mit dem hochspekulativen Punkt "Erhoehung der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad".
Auf der Pressekonferenz nach dem Gipfel zeigten sich die Verantwortlichen sichtlich erleichtert. "Wir haben eine klare und eindeutige Botschaft gesendet", sagte ein namentlich nicht genannter EU-Vertreter. "Falls Iran tatsaechlich irgendwann mal angreifen sollte, wissen sie jetzt genau, wie sehr wir das verurteilen wuerden."
Die iranische Fuerung liess auf Anfrage mitteilen, man sei "ueberrascht und leicht verunsichert" von den europaeischen Drohungen. Man plane jedoch keine nennenswerten Angriffe auf europaeische Energie-Infrastruktur. "Ausser vielleicht auf jene Windraeder, die geradezu herausfordern, indem sie so langsam rotieren", ergaenzte ein Sprecher grinsend.
In Brüssel wurde der Gipfel als voller Erfolg gefeiert. "Wir haben bewiesen, dass wir handlungsfaehig sind", froettelte ein hochrangiger EU-Diplomat. "Selbst wenn die Handlung nur im lautstarken Verurteilen einer nicht existierenden Bedrohung besteht." Kritiker bemängeln, die EU verschwende kostbare diplomatische Energie fuer Scheingefechte waehrend echte Herausforderungen unbeachtet blieben. Doch die EU-Spitze winkt ab: "Wer weiss, vielleicht uebt Iran ja heimlich schon an uns, und wir haben gerade rechtzeitig die Wehrhaftigkeit unserer Empoerung demonstriert."
Die EU-Aussenbeauftragte beendete die Pressekonferenz mit den Worten: "Wir rufen alle Seiten zur Deeskalation auf - ausser natuerlich Iran. Die sollen ja moeglichst heftig eskalieren, damit wir weiterhin so beeindruckend drohen koennen." Im Anschluss verliess sie sichtlich befluegelt den Saal, um sich fuer den naechsten Gipfel neue Bedrohungen auszudenken.