Die österreichischen Exporteure haben sich behauptet - mit 0,5 Prozent Minus sind sie quasi die Überlebenden einer wirtschaftlichen Zombie-Apokalypse. Kontrollbank-Chef Helmut Bernkopf findet das "gar nicht so schlecht", was in etwa dem entspricht, was man sagt, wenn man den Führerschein mit 35 wiederholt bestanden hat.
Die Zauberformel heißt "Shopping Lines" - günstige Finanzierungen für ausländische Importeure, damit diese bei österreichischen Exporteuren einkaufen können. Eine Art "Kauf jetzt, zahl später"-Programm für die ganze Welt. Endlich verstehen die Exporteure, dass der Schlüssel zum Erfolg darin liegt, anderen Menschen Geld zu leihen, damit diese bei einem selbst kaufen können.
Die "Vorratsinvest" ist das zweite Standbein dieses Wirtschaftswunders. Damit kann man Lieferketten bis zu fünf Jahre absichern - perfekt für jene Unternehmen, die noch nicht realisiert haben, dass die Welt sich schneller verändert als ein TikTok-Trend. Bernkopf schwärmt von diesem Produkt wie ein Autoverkäufer von der neuen Elektrifizierungsstrategie.
Besonders erfreulich ist, dass die Nachfrage nach Produkten zur Absicherung gegen wirtschaftliche und politische Risiken gestiegen ist. "Nicht dass wir uns das wünschen", sagt Bernkopf, "aber es ist nun einmal ein Faktum, dass Unternehmen in einem so herausfordernden Umfeld solche Produkte eher suchen." Übersetzt heißt das: Wenn die Welt untergeht, kaufen die Leute mehr Versicherungen - wer hätte das gedacht?
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl lobt das "über Jahrzehnte etablierte Erfolgsmodell" der österreichischen Exportförderung. Ein Erfolgsmodell, das so etabliert ist, dass selbst die heimische Wirtschaftspresse darüber staunt, dass Österreich in einer Krise nicht komplett untergegangen ist.
Besonders erfreulich ist die neue Strategie im Energiebereich. Die OeKB finanziert jetzt den Netzausbau und Speicher, wobei erstmals Instrumente aus der Exportförderung verwendet werden können. Ein logischer Schritt, schließlich hat Österreich schon immer davon geträumt, nicht nur Ware, sondern auch Strom ins Ausland zu exportieren. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr auch mit der Sonne.
Die Spezialbank Kontrollbank - deren Name vermuten ließe, dass sie die heimischen Kreditinstitute kontrolliert, was sie aber nicht tut - hat endlich ihre wahre Berufung gefunden. Statt wie ein Finanzamt über Banken zu wachen, leiht sie jetzt Geld für den Export und den Netzausbau. Eine sinnvolle Neuausrichtung, schließlich ist es einfacher, Geld zu verleihen als es zu kontrollieren.
Der große Wurf wäre natürlich, wenn Österreich nicht nur Waren und Strom, sondern gleich ganze Lösungspakete exportieren könnte: "Kaufen Sie unsere Maschinen und bekommen Sie kostenlos einen fünfjährigen Lieferketten-Schutz inklusive!" Vielleicht sollte man gleich noch ein Tourismus-Paket schnüren: "Besuchen Sie Österreich und wir finanzieren Ihren Rückflug, falls Ihnen unsere Exportprodukte nicht gefallen haben."
Bleibt zu hoffen, dass die heimische Wirtschaft diese Lektionen lernt. Denn wenn es hart auf hart kommt, helfen keine Zollverhandlungen und keine Freihandelsabkommen - nur ein gut durchdachtes Finanzierungsprodukt mit eingängigem Namen. "Survival Lines" zum Beispiel - Finanzierung für Unternehmen, die gerade noch so überleben.