Es war ein Dienstag wie jeder andere in Großebersdorf, als das Schicksal des gesamten Industriegebiets auf Messers Schneide stand. Genauer gesagt: auf Plastikschneide. Um 17:17 Uhr, jene unheilvolle Zeit, zu der sich angeblich die Geister in amerikanischen Einkaufszentren regen, wurde die Freiwillige Feuerwehr alarmiert. Eine Brandmeldeanlage hatte ausgelöst - nicht weil es brannte, sondern weil offenbar jemand vergessen hatte, dass Kunststoff in Mikrowellen nicht als Speise, sondern als existenzielle Bedrohung gilt.
Die Feuerwehr rückte mit Spezialausrüstung an, die normalerweise nur bei Chemieunfällen oder der gelegentlichen Kellerübung zum Einsatz kommt. Als die Kameraden eintrafen, wurden sie von den Haustechnikern bereits mit Mundschutz und ernstem Gesicht erwartet. Die Lage war ernst: In der Kantine hatte sich ein Geschirr-Set selbstständig gemacht und wollte offenbar die Vorherrschaft über das gesamte Stockwerk erringen. Das Plastik, in seiner mikrowellengebackenen Wut, hatte bereits einen markanten Brandgeruch entwickelt und das Gebäude in eine Art Horrorhaus für thermoplastische Materialien verwandelt.
Doch die Feuerwehr von Großebersdorf ist nicht irgendeine Truppe. Nein, diese Männer und Frauen sind die unbesungenen Helden der Thermikschäden. Mit einer Wärmebildkamera, die wahrscheinlich mehr gekostet hat als das jährliche Budget der Kantine, durchkämmten sie das Gebäude. Sie suchten nach versteckten Glutnestern, nach sich selbst bewusst gewordenem Besteck, nach allem, was sich in der Verwirrung des Augenblicks zu einem Brandstifter hätte entwickeln können.
Die Situation war so ernst, dass sogar der Bürgermeister gerufen wurde. Er stand mit besorgtem Gesicht im Hintergrund und überlegte bereits, ob er eine Katastrophenwarnung für das gesamte Weinviertel herausgeben sollte. Schließlich hatten die Plastikgeschirre bereits bewiesen, dass sie sich in der Mikrowelle verschanzen und von dort aus koordinierte Angriffe starten konnten. Wer weiß, welche Pläne sie für den Backofen oder den Kaffeevollautomaten schmiedeten?
Nachdem die Wärmebildkamera keine weiteren Verschwörer aufgespürt hatte, begann die aufwendigste Phase des Einsatzes: das Entrauchen. Mit Druckbelüftern, die so klangen, als würden sie jeden Moment abheben und in den Weltraum fliegen, wurde das Stockwerk systematisch von den letzten Rauchpartikeln befreit. Es war, als würde man versuchen, den Geruch von tausend verkohlten Plastiktüten aus einer Sauna zu pusten.
Erst nach fast einer Stunde konnten die Einsatzkräfte wieder ins Feuerwehrhaus einrücken. Erschöpft, aber stolz. Sie hatten nicht nur ein Stockwerk gerettet, sondern die gesamte Industrieregion vor dem Untergang durch thermoplastische Anarchie bewahrt. Die Kantine wurde vorerst geschlossen, und eine Spezialeinheit wurde damit beauftragt, alle Mikrowellen im Umkreis von zehn Kilometern auf mögliche Gefahren zu untersuchen. Denn man weiß ja nie: Vielleicht hatte das bösartige Geschirr Komplizen in anderen Kantinen, die nur darauf warteten, in der nächsten Mikrowellen-Sitzung ihre dunklen Pläne zu schmieden.