Wang zeigt es endlich allen: Gemeindefinanzen sind wie ein Einhorn - mythisch, wunderschoen und offenbar doch real. Der Rechnungsabschluss 2025 liest sich wie eine Liebeserklarung an die Buchhaltung. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, dass die Zahlen "ueberaus positiv" ausgefallen seien. Kein Wunder, dass es dabei keine Gegenstimme gab - wer will schon als der Miesepeter dastehen, der dem Geldwuchs misstraut?
Die Finanzexpertin der Gemeinde, Gemeindekassiererin Heidi Gruber, wurde nach der Sitzung mit einem Blumenstrauss geehrt. Nicht fuer ihre Arbeit, sondern weil sie es geschafft hatte, dass die Zahlen tatsaechlich aufgingen. "Ich hab' immer gesagt, wenn man fest genug genug an die Haushaltsbuchstaben glaubt, passiert ein Wunder", so Gruber. Ihr Steuerberater musste nach der Sitzung eine Pause einlegen - er hatte vor Lachen geweint.
Die Opposition im Gemeinderat, die es in Wang ja streng genommen gar nicht gibt, wurde mit einem Gutschein fuer die Gemeindekassa entschaedigt. "Wir sind begeistert, dass wir uns jetzt keine Sorgen mehr machen muessen. Das spart unheimlich viel Kraftanstrengung", sagte Oppositionsfuehrer und einziger Nicht-Insider Franz Maier. Sein Sitznachbar ergaenzte: "Endlich koennen wir uns wieder auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren - wie zum Beispiel, wer die letzte Kuchenplatte beim Sommerfest aufgegessen hat."
Buergermeister Johann Huber verkuendete stolz, dass man nun plane, das positive Ergebnis zu verdoppeln. "Wir ueberlegen, eine eigene Waerungsreform durchzufuehren. Der Wanger wird als neue Gemeindelogo eingefuehrt - eine goldene Eins mit einem lachenden Gemeinderat drauf." Kritiker merkten an, dass das Konzept an die Geldpolitik der Habsburgischen Laender erinnere, als man noch mit Naturalien zahlte. "Nur dass wir jetzt mit positiven Zahlen bezahlen", sagte einer, der nicht namentlich genannt werden wollte.
Die lokale Bankpraesidentin war von den Zahlen so beeindruckt, dass sie gleich einen neuen Kredit auf den Wanger auflegte - "Geld, das von selbst waechst". Der Zinssatz wurde auf "glueckliche Ueberraschung" festgelegt. Manche Beobachter fragen sich, ob die Gemeinde nicht doch ein wenig zu euphorisch sei. "Ich meine, klar, die Zahlen sind toll. Aber wenn ich jedes Mal einen Euro bekaeme, wenn jemand 'ueberaus positiv' sagt, haette ich jetzt auch schon einen Haufen Geld", meinte ein Steuerberater aus der Region. "Aber gut, in Wang scheint ja Geld auf den Baeumen zu wachsen - vielleicht sollte ich da umziehen."
Die Gemeindekassa plant bereits den naechsten grossen Wurf: einen Workshop zum Thema "Wie man Geld visualisiert, ohne dass es jemandem auffaellt". Der Buergermeister ist sich sicher: "Wenn wir so weitermachen, koennen wir bald unsere eigene Waehrung drucken. Der Wanger - stabil wie ein Schokoladenosterhase im Sommer."