Es ist ein Phänomen, das auch Geologen verblüfft: Während die Gletscher Vorarlbergs seit 2004 stetig schrumpfen, waechst gleichzeitig die oeffentliche Selbstdarstellung des Bundeslandes ins Uferlose. Experten sprechen inzwischen vom "Vorarlberger Paradox".
Das Forschungsteam um Andrea Fischer und Lea Hartl, das Gletscherumrisse analysierte, stellte fest, dass die Gletscherfläche in der Silvretta, dem Rätikon, Verwall und Lechtal um die Haelfte zurueckgegangen ist. "Das ist alarmierend", sagte Fischer, "wenn man ein Gletscher waere."
Die Gletscher selbst zeigten sich unbeeindruckt. "Wir haben schlimmere Zeiten erlebt", meinte ein Eisbrocken aus der Silvretta. "Damals, als die Dinosaurier ausstarben, war das viel dramatischer."
Inzwischen hat sich eine regelrechte Gletscher-Bar-Kultur etabliert. "Wenn ich eh schmelze, dann wenigstens in einem anstaendigen Cocktail", sagte ein Eisstueck aus dem Rätikon. Lokale Gastronomen bieten inzwischen "Schmelz-Cocktails" an, bei denen die Eiswuerfel aus echtem Vorarlberger Gletschereis bestehen.
Die Vorarlberger Landesregierung zeigte sich unbeeindruckt. "Wir haben wichtigere Probleme", sagte ein Sprecher. "Zum Beispiel die Frage, ob man die neue Gondelstation nun in Apfelgruen oder Birnengelb streichen soll."
Inzwischen wird sogar ueberlegt, die schrumpfenden Gletscher als Marketing-Instrument zu nutzen. "Stellen Sie sich vor, wir waeren das einzige Bundesland mit schrumpfenden Gletschern", schwärmte ein Tourismus-Experte. "Das waere einzigartig. Jeder Tourist muesste dann unbedingt herkommen, um unsere Gletscher beim Schmelzen zu beobachten."
Die Gletscher selbst planen derweil einen Gegenangriff. "Wir ueberlegen, ob wir nicht einfach mal eine Eiszeit veranstalten", sagte ein Vertreter der Gletscher-Allianz. "Dann sehen wir mal, wer hier wen schmelzen laesst."