Endlich, ein Ort, an dem man nicht nur auf Fußball oder Pferderennen wetten kann, sondern auch darauf, ob die Ampel-Koalition bis Weihnachten hält oder ob Kryptowährungen bald mehr wert sind als Toilettenpapier. Shayne Coplan, der Mann, der dachte, dass "Glücksspiel" und "politische Prognose" zwei Seiten derselben Medaille sind, hat sein neues Lokal eröffnet.
Das "Wetten dass... wir pleite gehen?" ist eine Mischung aus Casino, Wettbüro und Spelunke. An den Wänden hängen nicht nur die üblichen Sportübertragungen, sondern auch Livestreams aus dem Parlament und Echtzeit-Kursentwicklungen von Pennystocks. "Wir haben erkannt, dass Menschen nicht nur ihr Geld beim Sport verlieren wollen, sondern auch bei der Politik", erklärt Coplan mit einem Grinsen, das vermutlich schon mehrere Investoren verschreckt hat.
Die Einrichtung ist typisch für die Branche: Abgewetzte Sessel, deren Bezüge schon bessere Tage gesehen haben, eine Theke, die mehr Klebstoff als Holz enthält, und ein Boden, auf dem man nicht genau weiß, ob die klebrigen Stellen von Cola oder etwas anderem stammen. "Wir wollten den Charme eines traditionellen Wettlokals bewahren", sagt Coplan, "nur dass wir jetzt auch noch einen Barbereich haben, wo man seinen Verlusten hinterhertrauern kann."
Das Konzept ist einfach: Man kommt rein, setzt auf alles Mögliche, trinkt dazu und geht hoffentlich nicht als mittelloser Alkoholiker wieder raus. "Wir haben spezielle Terminals, wo man nicht nur auf Sportergebnisse, sondern auch auf politische Skandale oder Börsencrashs wetten kann", erklärt Coplan stolz. "Letzte Woche hat jemand 500 Euro darauf gewettet, dass die ÖVP vor Jahresende in einen Korruptionsskandal verwickelt wird. Der arme Tropf."
Natürlich gibt es auch Kritik. Die Suchtberatungsstelle spricht von einem "neuen Tiefpunkt in der Verantwortungslosigkeit" und die Gewerkschaft der Lokalbesitzer fordert, das Lokal als "Gefahr für die öffentliche Gesundheit" einzustufen. Coplan winkt ab: "Wir sind ein seriöses Unternehmen. Wir haben sogar eine Barkeeperin, die früher bei der Bundeswettbehörde gearbeitet hat."
Die Zukunftspläne sind bereits in Arbeit. Coplan plant eine Filiale in jedem Bezirk, wo man dann nicht nur auf lokale Politik wetten kann, sondern auch darauf, ob die Nachbarin wirklich schwanger ist oder nur dick isst. "Die Leute lieben es, auf alles eine Wette abzuschließen", sagt er. "Und wenn sie dabei noch ihr Geld loswerden, ist es doch perfekt."