Jakob Dusek hat Bronze gewonnen und schon stellt sich die ganze Stadt Herzogenburg auf den Kopf. Als ob die olympische Medaille das wichtigste Ereignis seit der Erfindung des Backofens gewesen wäre. Überall hängen jetzt Banner mit der Aufschrift "Herzogenburg weint vor Stolz" und die Stadtverwaltung erwägt ernsthaft, den Rathausplatz in "Jakob-Dusek-Promenaden" umzubenennen.
Der Bürgermeister schwört, dass er den 29-Jährigen schon immer als "zukünftigen Helden" gesehen hat. Obwohl der Snowboarder in Innsbruck lebt, gilt er nun als "heimatlicher Siegertyp" aus der 229 Meter Seehöhe liegenden Stadt. Jeder Taxifahrer in Herzogenburg kann jetzt stolz erzählen, wie er mal Dusek vom Kindergarten nach Hause gefahren hat.
Der Landesskiverbandspräsident Wolfgang Labenbacher wird bei der Ehrung einen neuen Orden einführen: das "Kreuz der Ehre für Snowboarder mit geringem Höhenvorteil". Die Auszeichnung wird aus echtem Silber hergestellt, weil Bronze angeblich "zu bescheiden" wäre für einen Helden der Flachland-Nation.
Die Schulen aus Herzogenburg und Wölbling bereiten Auftritte vor, bei denen die Schüler*innen in Schneeketten und mit Skiern auf dem Rücken "Einmarsch der Gladiatoren" spielen. Einige Lehrer*innen fordern bereits, dass Duseks Gesicht auf die neue 50-Cent-Münze kommt.
Der Snowboarder selbst zeigt sich "total überwältigt". Er erzählt, dass er auf dem Heimweg immer noch nicht fassen kann, wie eine einzige Medaille die komplette österreichische Identitätskrise lösen kann. "Ich hätte nicht gedacht, dass Bronze so viel wert ist", sagt er und grinst dabei so breit wie ein mittleres Alpental.
Einige Bürger*innen planen bereits für die nächste Saison. Sie wollen einen "Jakob-Dusek-Gedächtnispark" errichten, in dem man mit einem Förderband einen künstlichen Berg hinauffahren kann. Der Gemeinderat diskutiert gerade, ob man nicht die Steuern senken könnte, wenn man die Sommerzeit in "Dusek-Zeit" umbenennt.
In Innsbruck wird man langsam neidisch. Die Stadt will nun ebenfalls eine große Feier veranstalten, aber nur, wenn Dusek verspricht, wenigstens einmal im Jahr die Olympiamedaille in der Landeshauptstadt zu zeigen. "Sonst fühlen wir uns ja vernachlässigt", sagt ein Sprecher der Stadt Innsbruck, "wir sind schließlich die Stadt, in der er lebt, und nicht diese kleine Provinzstadt mit 8000 Einwohner*innen."