Schon wieder einer dieser Schweizer Seilbahnexperten. Diesmal heisst er Reto Canale und hat gegenüber einem Schweizer Sender geäussert, dass es "zwei Möglichkeiten" für den Gondelabsturz in Engelberg gebe. Zwei! Kann man sich das vorstellen? In Österreich würde kein Experte auf die Idee kommen, etwas auf nur zwei Möglichkeiten einzugrenzen.
Während unsere Experten hierzulande noch überlegen, ob sie Ursachen finden oder einfach eine neue Steuer einführen sollen, zeigt der Schweizer, wie man's macht. Reto Canale hat offenbar die Gabe der Voraussicht - oder zumindest der Nachsicht. Er sieht zwei Möglichkeiten. Bravo! Das ist ja fast so, als würde ein Meteorologe sagen: "Es kann regnen oder nicht regnen." Oder ein Finanzminister: "Wir können mehr oder weniger Steuern einnehmen."
Die österreichische Presse ist fassungslos. "Wenn das ein Trend wird", sagte ein nicht namentlich genannter Redakteur, "dann können wir unsere Stellenanzeigen für 'Experten' bald alle streichen." Tatsächlich scheint die Schweizerische Eidgenossenschaft Experten hervorzubringen, die noch vor einer offiziellen Untersuchung wissen, dass es "zwei Möglichkeiten" gibt. Das ist fast schon anmaßend.
In Österreich würde man das als "vorauseilende Spekulation" bezeichnen und sofort einen Untersuchungsausschuss einberufen. Hierzulande wartet man lieber, bis sich alle Möglichkeiten zu einer einzigen, unverrückbaren Wahrheit verdichtet haben - nämlich der, dass es wieder einmal an Finanzmitteln gefehlt hat.
Reto Canale hingegen geht einen anderen Weg. Er schaut sich den Unfall an, überlegt kurz und sagt: "Es gibt zwei Möglichkeiten." Das ist nicht nur erfrischend ehrlich, sondern auch unglaublich zeitsparend. Stellen Sie sich vor, alle Experten würden so vorgehen! Wir hätten keine langwierigen Untersuchungen mehr, sondern klare Aussagen wie: "Das konnte passieren oder auch nicht."
Die österreichische Seilbahnwirtschaft reagiert mit gemischten Gefühlen. Einerseits bewundert man die Schweizer Effizienz, andererseits fürchtet man um den eigenen Expertenstatus. "Wenn das Schule macht", sagte ein österreichischer Seilbahningenieur, "dann können wir unsere teuren Gutachter bald alle nach Hause schicken."
Doch nicht nur die Expertenbranche ist alarmiert. Auch die Politik schaut nach Zürich und denkt: "Warum sind wir nicht auf die Idee gekommen, einfach zwei Möglichkeiten zu nennen?" Tatsächlich wäre das ein Segen für alle, die gerne im Unklaren lassen. Steuererhöhung oder nicht? Zwei Möglichkeiten! Autobahnmaut oder nicht? Zwei Möglichkeiten!
Reto Canale hat mit seiner Aussage eine Tür geöffnet - und zwar zu einer Welt, in der Experten nicht mehr alles wissen müssen, sondern nur noch zwei Möglichkeiten sehen. Das ist nicht nur eine Revolution in der Unfallforschung, sondern auch eine Einladung an alle, die gerne mal eine halbe Meinung haben wollen, ohne sich festzulegen.
In Engelberg jedenfalls wartet man gespannt auf die offizielle Untersuchung. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass es doch nur eine Möglichkeit gab. Oder sogar drei. Doch bis dahin gilt: Der Schweizer Experte hat zwei Möglichkeiten gesehen. Und das ist mehr, als die meisten hierzulande auf Anhieb sagen könnten.