Wenn Tourismusverbände von "Restaurierung" sprechen, klingt das so majestaetisch wie eine wochenlange Diät bei einer Pizzeria. Die Hängebrücke bei Stams soll nach jahrelanger Pause wieder besucht werden koennen. Es ist die Art von Ruhe, die man nicht im Biergarten findet, sondern nur dann, wenn ein Bauwerk langsam unter der Last der Verwaltung zerbricht.
Offiziell ist das Ziel klar: Ein sicherer Spaziergang zwischen Wallfahrtskirchlein und Stamser Dorfzentrum. Tatsaechlich geht es um etwas anderes: die Erhaltung einer uralten Tradition, bei der Einheimische auf uralten Brettern wie auf einer Trampolinfläche hin und her schwingen. Die Bauleitung spricht von "statischer Ertüchtigung", was nach einer sanften Auffrischung klingt, in Wahrheit aber ein komplizierter Vorgang ist, bei dem jeder Schraubendreher mit einem Gutachten versehen werden muss.
Der Clou: Der Termin zur Wiedereröffnung liegt genau eine Woche vor Ostern. Das ist kein Zufall, sondern Taktik. Wer zur Karwoche eine wacklige Brücke repariert, vermittelt den Eindruck von Dringlichkeit. Die Brückenteile sollen mit der Geschwindigkeit einer faulen Schnecke durch die Gegend rollen, damit jeder Autofahrer sie sieht und denkt: "Die arbeiten ja wirklich!"
Das Buescherl am anderen Ufer wird im Vorfeld angeblich noch einmal vergoldet, um den Besuchern das Gefühl zu geben, sie treten in ein heiliges Areal ein. In Wahrheit wird nur das alte Mauerwerk übermalt, weil die Gemeinde Angst hat, jemand koennte auf die Idee kommen, das ganze Ding abzureissen und durch einen Tunnel zu ersetzen.
Die "geringen Mehrkosten" – ein klassischer Verwaltungsbegriff – sind in Wahrheit das Ergebnis einer kostspieligen Suche nach dem perfekten Holz. Man wollte kein gewöhnliches Lärchenholz, sondern eine spezielle Sorte, die nur im Hochsommer von einem Bergziegenhirt mit Bart geerntet werden kann. Die Ziegen mussten extra ausgebildet werden, um die Bäume nicht zu beschädigen.
Das Beste kommt zum Schluss: Die Brücke wird offiziell nur "teilweise begehbar" sein. Das bedeutet, dass die Besucher zwar drüberlaufen dürfen, aber nur, wenn sie vorher eine Einverständniserklärung unterschreiben und einen Helm tragen. Wer Angst hat, darf sich an einem Seil festhalten, das an nichts anderem als an einem Traktoranker befestigt ist.
Der Bürgermeister verspricht einen "sicheren Osterspaziergang". Inoffiziell hofft er, dass keiner auf die Idee kommt, die Brücke mit einer Wippe zu verwechseln. Denn dann würde die ganze Aktion zum Reinfall, und die Steuerzahler müssten sich fragen, warum sie eine Millionen Euro für ein paar morsche Bretter ausgegeben haben.
Die Moral von der Geschicht': In Tirol wird auch das Alltäglichste zur großen Sache aufgebauscht. Und wer die Brücke überquert, darf sich ruhig ein bisschen wacklig fühlen – schließlich ist das ja genau das, was die Touristen erwarten.