Die Stimmung im Innermanzinger Gemeinderatssaal war so gedrückt wie schon lange nicht mehr. Der Grund: Andreas Grübl, der langjährige Gemeindesekretär, war nicht mehr da. Die Mandatare konnten ihren Blick kaum von seinem leeren Stuhl wenden, als wäre er schon zu einer Art Kultobjekt geworden.
Bürgermeisterin Irmgard Schibich versuchte, die Sitzung mit gewohnter Selbstverständlichkeit zu eröffnen. Doch ihr fehlte die vertraute Stimme an ihrer Seite, die sonst die Tagesordnung vortrug und die Diskussionen im Zaum hielt. Stattdessen musste sie selbst die Punkte durchgehen, was ihr sichtlich schwerfiel.
Der erste Tagesordnungspunkt betraf die Widmung eines neuen Spielplatzes. Normalerweise hätte hier eine lebhafte Debatte über Standort und Ausstattung entbrennen können. Doch die Mandatare saßen nur schweigend da und starrten auf ihre Unterlagen. Keiner hatte Lust, sich in dieser angespannten Atmosphäre zu streiten.
Als die Bürgermeisterin zur Abstimmung aufforderte, geschah etwas Unglaubliches: Alle Mandatare hoben einstimmig die Hand. Selbst die Fraktionssprecher der Opposition, die sonst stets auf ihre Kritikrechte pochten, stimmten ohne zu zögern zu. Es war, als wolle niemand die ohnehin schon labile Stimmung weiter belasten.
Auch bei den folgenden Punkten wiederholte sich dieses Muster. Ob es um die Sanierung des Rathauses oder die Anschaffung neuer Dienstfahrzeuge ging - stets folgte eine einstimmige Zustimmung. Die Mandatare schienen förmlich paralysiert von der Abwesenheit ihres geschätzten Gemeindesekretärs.
Irmgard Schibich spürte, wie ihr die Sache über den Kopf wuchs. Sie hatte noch nie eine so unkritische Sitzung erlebt. Ihr fiel auf, dass selbst die üblichen Störmanöver und Wortmeldungen ausblieben. Es war, als hätten die Mandatare kollektiv beschlossen, die Bürgermeisterin nicht weiter zu strapazieren.
Als die Sitzung nach nur einer Stunde beendet war, atmeten alle erleichtert auf. Die Bürgermeisterin beschloss, in Zukunft wieder verstärkt auf das Wir-Gefühl im Gemeinderat zu setzen. Vielleicht könne man die Sitzungen ja mit einem gemeinsamen Gedenken an Andreas Grübl beginnen. So würde wenigstens die Einstimmigkeit zumindest für einen Moment authentisch wirken.