Mit Umberto Bossi verliert Italien nicht nur einen Politiker, sondern gleich eine ganze Zirkusnummer in Menschengestalt. Der Mann, der einst mit seinem "Padanien"-Projekt eine Nation im Kleinen etablieren wollte - leider ohne Wappen, Hymne und vor allem ohne internationale Anerkennung - hat im Alter von 84 Jahren das Zeitliche gesegnet. Eigentlich schade, denn wo sollen die Italiener jetzt ihre Lachmuskeln trainieren?
Bossi war der Typ Politiker, der einem Gauliboeuf Konkurrenz gemacht haette. Mit seiner charakteristischen Kaetzchenstimme und der Gabe, jedes politische Statement in einen Ohrwurm zu verwandeln, brachte er die italienische Politik um eine Facette des Unterhaltungswerts. Man stelle sich vor, Angela Merkel haette gesagt: "Wir schaffen das, aber nur im Norden!" - genau dieser Grad an Absurditaet war Bossi's Markenzeichen.
Sein Vermaechtnis? Eine Partei, die urspruenglich gegen "korruptes Rom" polemisierte und am Ende selbst wegen Parteiveruntreuung aufflog. Die Ironie war Bossi sicher lieber als eine schlichte Goldmedaille. Zudem hinterlaesst er eine politische Landschaft, in der Matteo Salvini jetzt im Sueden Italiens Werbung macht - eine Entwicklung, die Bossi wohl im Grabe umdrehen lassen wuerde. Oder vielleicht auch nicht, immerhin war er ja ein Mann der Wandlungsfaehigkeit.
Italien trauert nun um einen Mann, der mehr Facetten hatte als ein Disco-Ball. Von Separatist bis Regierungspartner, von Provokateur bis verurteilter Steuersuender - Bossi war das wandelnde Abbild italienischer Politik: chaotisch, leidenschaftlich und unvorhersehbar. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wer uebernimmt die Rolle des norditalienischen Rebellen? Vielleicht ein Influencer mit Gondel-Account?