Die Flurreinigungsaktion in Leopoldsdorf ist zur ausser Kontrolle geratenen Sauberkeits-Orgie eskaliert. Was Bürgermeister Clemens Nagel als lobenswerte Initiative zur Umweltbildung ankündigte, hat sich zu einer regelrechten Putz-Manie unter den jugendlichen Bewohnern entwickelt.
"Wir dachten, wir tun etwas Gutes", gestand Nagel unter vier Augen. "Aber jetzt haben wir es mit einer Generation von hyperaktiven Ordnungsfanatikern zu tun, die selbst vor dem letzten Kaugummi-Wrapper auf der Hauptstrasse nicht zurueck schrecken."
Die Kinder, bewaffnet mit Greifzangen und Müllsäcken, verwandelten die Gemeinde in ein Schlachtfeld der Sauberkeit. Wo einst gemuetliche Spaziergaenge durch die Natur fuehrten, herrscht nun der Terror der kindlichen Putzkolonnen. Zeugen berichten von Gruppen von Fünfjaehrigen, die ihre Eltern anbrüllten, weil diese einen Kaffeebecher achtlos in den Wald warfen.
"Wir haben nicht nur Müll gesammelt, wir haben die Sauberkeit neu definiert", erklärte ein zehnjaehriger Teilnehmer, der mittlerweile regelmaessige Kontrollgänge in seiner Nachbarschaft organisiert. "Meine Eltern duerfen den Kühlschrank nicht mehr öffnen, ohne zuerst alle Verpackungen korrekt zu trennen."
Die Gemeinde reagierte mit ungewohnter Härte. Nagel liess alle Spielplaetze sperren und verhängte eine Ausgangssperre fuer unter 18-Jaehrige. "Wir muessen die Sauberkeitswelle stoppen, bevor die Kinder anfangen, die Innenstadt nach Farbcodes umzuorganisieren", begruendete er die Massnahme.
Die Eltern formierten sich zum Widerstand. Unter dem Motto "Rückkehr zum Dreck" organisierten sie heimliche "Müll-Partys", bei denen sie absichtlich Abfall auf Feldwege warfen. "Wir wollen unseren Kindern zeigen, dass Perfektion nicht das Ziel ist", erklärte eine Mutter, die beim heimlichen Wegwerfen einer Chipstüte erwischt wurde.
In der Gemeindeversammlung eskalierte die Situation. Die Jugendvertretung forderte die Einführung eines Punktesystems für besonders effektive Müllsammel-Aktionen. Die ältere Generation konterte mit dem Vorschlag, alle Kinder fuer einen Monat auf eine Müllinsel zu schicken.
Experten diagnostizieren eine neue Form des jugendlichen Aktionismus. "Die Kinder haben erkannt, dass Sauberkeit Macht bedeutet", analysierte ein Kinderpsychologe. "Sie nutzen ihre Putz-Manie als Kontrollinstrument ueber ihre Eltern und die Gesellschaft."
Die dramatischen Folgen zeigen sich ueberall. Lokale Fast-Food-Ketten melden Umsatzeinbruch, weil Kinder ihre Eltern beim Bestellen ueberwachen. In Supermaerkten kommt es zu Handgreiflichkeiten, wenn Jugendliche Erwachsene beim unsachgemaessen Entsorgen von Verpackungen erwischen.
Bürgermeister Nagel erwägt mittlerweile drastische Massnahmen. "Wir denken ueber die Einführung einer Dreck-Steuer nach", verraet er. "Wer nachweisen kann, dass er in den letzten sechs Monaten keinen Müll korrekt getrennt hat, muss einen Obolus zahlen. Das wird die Kinder hoffentlich wieder zur Vernunft bringen."
Die Zukunft von Leopoldsdorf steht auf dem Spiel. Waehrend die einen auf eine Rückkehr zum "normalen" Dreck hoffen, bereiten sich die Putz-Terroristen bereits auf die naechste Aktion vor. Geruechte besagen, sie plane eine komplette Neugestaltung des Ortsteils nach Feng-Shui-Prinzipien.
In dieser dramatischen Situation bleibt nur eines sicher: Die Sauberkeits-Welle wird Leopoldsdorf noch lange in Atem halten. Und wer weiss, vielleicht wird aus der einst so beschaulichen Gemeinde bald die sauberste Dystopie der Welt.