Ein Küchenstudio in Eugendorf hat die unerwartetste Form der Marktöffnung erlebt: durch die Motorhaube eines 40-Tonners. Der Lkw raste durch die Glasfassade, als hätte er eine Einladung zur Vernissage verpasst und wollte jetzt nachholen, was ihm die Türsteher verweigerten. Anschließend demolierte er Verkehrszeichen, Straßenlaternen und eine Bushaltestelle, als wolle er die gesamte örtliche Infrastruktur neu gestalten.
Der 62-jährige Fahrer aus Bosnien blieb unverletzt, was laut Geschäftsführer Manfred Fuschlberger beinahe das Schlimmste am ganzen Vorfall ist. "Der arme Mann hat wahrscheinlich einen Herzinfarkt gehabt, als er merkte, dass er nicht mehr bremsen konnte. Und jetzt sitzt er da, traumatisiert, und wir müssen ihm die Schuld an der Zerstörung unserer kompletten Frühjahrskollektion geben."
Fuschlberger rechnet mit sechs Monaten Wiederaufbauzeit. "Von der Fassade bis zu den Küchen müssen wir alles ersetzen." Seine Mitarbeiter wurden an andere Standorte versetzt, wo sie vermutlich Kunden erklären müssen, warum ihr Chef plötzlich eine Schwäche für Fahrzeuge mit Aufprallgeschwindigkeit entwickelt hat.
Besonders pikant: Ein in der Wand installierter Bankomat löste nach dem Aufprall Alarm aus. "Das ist doch Werbung, oder?", fragt Fuschlberger. "Kostenlose Sicherheitstechnik, die man nicht bestellt hat. Wenn das kein Zeichen ist, weiß ich auch nicht."
Der Geschäftsführer denkt nicht ans Aufgeben, auch wenn er zugibt, dass der Vorfall "ein Rückschlag ist". Er überlegt bereits, den Hängerzug für die Neueröffnung zu engagieren. "Wir könnten ihn als Markenbotschafter auftreten lassen. 'Küchenstudio Eugendorf - wir kommen auch zu Ihnen nach Hause, und zwar mit Wumms!'"
Die Feuerwehr war mit einem "Langen Einsatz" vor Ort, was laut Fuschlberger das einzige ist, was an dem Vorfall lang war. "Die Aufräumarbeiten dauerten ewig. Ich hab schon darüber nachgedacht, ein Café einzurichten, wo die Leute zusehen können, wie wir Glasscherben einsammeln. Das wäre doch was für die Instagram-Generation."
Die lokale Presse berichtete bereits, was Fuschlberger als "Vorgeschmack auf unsere Medienpräsenz" wertet. "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald einen Pressesprecher nur für Crash-Reports. Ich könnt' mir vorstellen, dass wir bei der nächsten Eröffnung Bodyguards brauchen, damit uns keiner mit dem Auto auflauert."
Besonders bitter für Fuschlberger: Das Studio stand gerade einmal eine Woche. "Eine Woche! Das ist kürzer als die Halbwertszeit eines Social-Media-Trends. Ich glaub, wir sollten künftig unsere Eröffnungen mit Panzerhindernissen schützen. Oder zumindest mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, die auch Lkw-Fahrer verstehen."
Der Vorfall wirft auch philosophische Fragen auf. Fuschlberger überlegt: "Was wäre, wenn wir das als Konzept etablieren? 'Küchenstudio mit Crash-Garantie - bei uns bekommen Sie nicht nur neue Küchen, sondern auch die Chance, Ihre alte zu zerstören, ohne selbst Hand anzulegen.'"
Für die Zukunft plant er jedenfalls, die Fassade zu verstärken. "Aber nicht mit Stahl oder Beton. Ich denk an so etwas Hübsches - eine Art Sichtschutz aus verbuddelten Autos. Das hätte was. Retro-industriell. Und wenn der nächste Lkw kommt, kann er wenigstens vorher noch bewundern, was ihn erwartet."