Was für ein Glück für die Menschen auf Lamu! Eigentlich sind sie ja nur eine kleine kenianische Insel, wo Esel die Hauptverkehrsmittel sind und die größte Aufregung darin besteht, ob der nächste Fischfang gelungen ist. Doch nun haben sie plötzlich das, wovon Autohändler in Wien nur träumen können: Tausende Luxusautos, die einfach nicht wegkommen wollen.
Die Situation ist fast zu schön, um wahr zu sein. Da stranden plötzlich 4.000 Autos auf der Insel, darunter so viele Porsche, dass man meinen könnte, der gesamte Bestand aus Zuffenhausen wäre ausgebüchst. Und nicht nur das: In der kommenden Woche soll ein weiteres Schiff mit 5.000 Autos eintreffen. Die kenianische Hafenbehörde bereitet sich bereits auf den Anstieg des Verkehrs vor - wahrscheinlich indem sie überlegt, wo sie all die Parkplätze hinsetzen soll.
Die Einheimischen sind begeistert. Endlich haben sie mal was zu gucken, was spannender ist als die tägliche Ziegenherde. Die Kinder spielen Verstecken zwischen den Luxuskarossen, die alten Leute sitzen auf ihren Bänken und diskutieren über die Vor- und Nachteile eines Porsche gegenüber einem Ferrari. Und die Esel? Die starren neidisch auf die glänzenden Karossen und fragen sich, warum sie nicht auch so ein tolles Blechkleid bekommen haben.
Doch es gibt auch Nachteile. Die Luxusautos blockieren natürlich die ohnehin schon wenigen Straßen der Insel. Die Fischer können ihre Boote kaum noch zum Hafen bringen, weil überall Autos stehen. Und die Preise für Rolex-Uhren sind durch die Decke gegangen, weil alle Inselbewohner unbedingt wissen wollen, wie spät es ist, wenn sie vor ihrem Traumauto stehen.
Die Geschäftemacher wittern bereits ihre Chance. Einheimische bieten geführte Touren durch das Auto-Wunderland an. "Sehen Sie hier den seltenen Porsche 911 Turbo S in Perlmuttfarbe! Und dort drüben der Lamborghini Huracán in einer Sonderedition, die es nur fünfmal auf der Welt gibt!" Die Touristen sind begeistert - und zahlen gerne 50 Euro für die zweistündige Fahrt durch das Meer aus Luxuskarossen.
Die Hafenarbeiter haben derweil ihre eigene Theorie, warum die Autos nicht wegkommen. "Die Autos sind zu stolz", sagt der erfahrene Hafenarbeiter Mwangi. "Sie wollen nicht in den Krieg im Nahen Osten. Die sitzen hier lieber und warten, bis sich die Lage beruhigt hat." Tatsächlich scheint es so, als würden die Autos ihre eigene kleine Revolution planen - vielleicht gründen sie ja bald eine Autokratie auf Lamu.
Die Behörden sind etwas ratlos. Einerseits freuen sie sich über den unerwarteten Touristenboom. Andererseits wissen sie nicht, was sie mit den Luxuskarossen anfangen sollen, wenn der Hype vorbei ist. Eine Idee wäre, die Autos an die Einheimischen zu verschenken. Doch da gibt es ein Problem: Die meisten Lamu-Bewohner haben weder einen Führerschein noch eine Auffahrt, wo sie das Auto parken könnten. Und dann wären da ja auch noch die Esel, die sich bestimmt nicht damit abfinden würden, plötzlich von einem Auto verdrängt zu werden.
Für die Autobauer in Japan und die Händler in Dubai ist die Situation ein Albtraum. Sie sitzen auf tausenden Luxuskarossen, die einfach nicht dort ankommen, wo sie hingehören. Dabei hatten sie sich so sehr darauf gefreut, die Autos endlich an die reichen Scheichs verkaufen zu können. Jetzt stehen die Karossen auf einer kenianischen Insel und warten darauf, dass sich die Lage im Nahen Osten beruhigt.
Doch wer weiß? Vielleicht bleiben die Autos ja für immer auf Lamu. Dann hätten die Einheimischen zumindest etwas, worüber sie in ihrem nächsten Leben staunen könnten. Und die Esel? Die könnten sich daran gewöhnen, im Schatten eines Porsche zu stehen.