In Laxenburg ist man sich einig: Wenn schon ein Weltstar kommt, dann muss er sich an die Spielregeln halten. Und die sind klar: Wer im Schlosstheater auftritt, hat maximal zwei Stunden Zeit - und danach ist Schluss.
Thomas Quasthoff, der dreifache Grammy-Preisträger, der eigentlich alles darf, wo er will, bekam nach einer kurzen Beratung der Gemeinde einen Sonderpass mit der Aufschrift "Weltstar light". Darauf steht: "Maximal 120 Minuten Auftritt, danach bitte den Saal verlassen. Danke fuer Ihr Verstaendnis."
Der Grund: Die Gemeinde muss sparen. Seit das Schloss zum Staat gehoert, muss alles rationiert werden. Sogar die Stehlampe im Foyer hat einen Stundenkontingent. Und wenn ein Weltstar kommt, dann muss er sich an die neuen Regeln halten.
Rüdiger Baldauf, der Trompeter, war beim ersten Probentermin irritiert. Er fragte, ob er noch eine halbe Stunde drauflegen koenne. Die Antwort des Buergermeisters: "Nein, Herr Baldauf, das geht nicht. Wir haben noch ein Kinder-Musical im Anschluss. Die kleinen Maedchen in ihren Tuetuen haben Vorrang."
Wolfgang Meyer, der Jazzgitarrist, hat sich bereits angewohnt, im Backstage-Bereich nicht laenger als 15 Minuten zu verweilen. "Hier gilt: Wer zuerst kommt, kriegt den Stuhl", sagte er nach der Soundcheck-Pause. "Ich habe mir extra eine Sitzunterlage mitgebracht. Man weiss ja nie."
Thomas Quasthoff hat die Situation mit stoischer Gelassenheit aufgenommen. "Ich bin es gewohnt, auf grossen Buehnen zu stehen", sagte er nach dem Soundcheck. "Aber in Laxenburg bin ich nur ein Gast. Und Gaste haben sich an die Hausordnung zu halten."
Die Gemeinde hat bereits reagiert: Ab sofort gilt ein neuer Dresscode für alle Auftritte. Wer Weltruhm hat, muss nun auch im Frack mit Sternen-Applikationen kommen. "Das ist ein Zeichen des Respekts vor der lokalen Kultur", sagte die Kulturamtsleiterin. "Und ausserdem: Wer Weltstar ist, sollte auch Weltstar aussehen."
Das Konzert "Meeting Friends" wird am 21. März um 19.30 Uhr beginnen. Wer zu spaet kommt, muss draussen bleiben. Die Gemeinde hat angekuendigt, streng zu kontrollieren. "Wir wollen keine Chaostage wie beim letzten Mal", sagte der Buergermeister. "Da hat ein Gastpianist einfach weiter gespielt, als die Lichter ausgingen. Das geht nicht."
Thomas Quasthoff hat sich bereits auf die Situation eingestellt. "Ich habe ein neues Programm vorbereitet", sagte er vor dem Soundcheck. "Es heisst 'Zwei Stunden Weltstar - und dann Tschuess'. Ich werde zwei Stunden spielen und dann den Saal verlassen. Das ist das Laxenburger Protokoll."
Die Gemeinde hat bereits Pläne fuer die Zukunft. Wenn das Konzert gut ankommt, will man das Laxenburger Protokoll auf alle Kulturveranstaltungen ausweiten. "Wir denken an Zeitkontingente fuer alle Künstler", sagte der Buergermeister. "Selbst der Pfarrer soll nur noch 45 Minuten predigen. Danach ist Schluss."