Liebe Oberwart! Bereite dich auf ein Wochenende vor, das deinen Puls in die Höhe treibt und deine Gedenk-Glocken läuten lässt! Am kommenden Samstag und Sonntag steht das Programm voller Politik und Geschichte – also quasi ein Klassentreffen der Langeweile mit ihren besten Freunden.
Im Offenen Haus Oberwart (OHO) – ja, das Haus ist tatsächlich offen, keine Angst – diskutieren am 21. März Experten darüber, wie junge Menschen Politik erleben. Die Jugend fühlt sich nämlich nicht gehört. Dabei ist das doch ein echtes Armutszeugnis für die Jugend: Wenn man schon nicht gehört wird, obwohl man doch angeblich so viel schreit – wie schlimm muss es dann erst den stillen Zeitgenossen ergehen?
Die Jugend fordert mehr Mitbestimmung, findet aber in etablierten Parteien keine Anknüpfungspunkte. Logisch, die sind ja auch alle besetzt von etablierten Politikern. Das ist wie im Freibad: Alle Liegen sind belegt, und die Jugend muss sich mit dem nassen Beton begnügen. Polarisierung, soziale Medien, schwindendes Vertrauen – das klingt wie der Stammtisch meines Opas, nur dass Opa nicht mehr weiß, wo er seinen Stammtisch hingestellt hat.
Am Sonntag folgen in Rechnitz dann die richtig großen Ereignisse: Zuerst eine Kranzniederlegung beim Mahnmal für die Opfer des Massakers beim Schlachthaus. Um 13 Uhr. Das ist der perfekte Zeitpunkt, denn da hat man gerade noch genug Energie, um einen Kranz zu tragen, bevor die Mittagsmüdigkeit zuschlägt.
Danach geht es weiter zum Kreuzstadl für die Gedenkfeier der Opfer des Südostwallbaus. Um 14 Uhr. Eine Stunde später, damit alle Zeit haben, sich innerlich auf die nächste Runde schweres Gedenken vorzubereiten. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht genug hat, der ist entweder Historiker oder braucht dringend einen Kaffee.
Die Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative "RE.F.U.G.I.U.S." veranstaltet das Ganze. Der Name klingt wie eine Geheimorganisation aus einem schlechten Spionagefilm. Man stelle sich vor, wie sich die Mitglieder treffen: "Ich bin RE.F.U.G.I.U.S., und ich kämpfe für Gerechtigkeit – und zwar mit Kranzkraft!"
Paul Gulda, Mester Tamás und die Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden aus Wien, Zalaegerszeg und Szombathely werden dabei sein. Das ist wie ein Eurovision Song Contest der Gedenkkultur. Nur dass hier nicht gesungen, sondern geschwiegen wird. Bogdan Laketic sorgt für musikalische Begleitung. Hoffentlich spielt er nicht "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Gedenkfeier nicht" – das wäre ja zynisch.
In Oberwart wird also diskutiert und in Rechnitz gedacht. Das ist wie ein perfektes Wochenende für alle, die finden, dass Normalität überschätzt wird. Ich hoffe nur, dass die Jugend nach all dem Zuhören und Gedenken nicht völlig verstummt. Dann müssten wir nämlich lauter werden – und das kann ja nicht im Sinne der Sache sein.