Das war's dann wohl mit dem Vorurteil, Österreich wäre ein rückständiges Land. Nein, wir sind nicht nur im Skigebiet und in der klassischen Musik führend, sondern jetzt auch in der altgriechischen KI-Forschung. Die ÖAW hat ein Large Language Model entwickelt, das lückenhafte Inschriften wie ein digitaler Dr. Dolittle entschlüsselt. Der Clou: Die KI heißt "Apollo" - benannt nach dem Gott des Lichts, der in der Antike offenbar viel zu viel Zeit hatte, weil er sich noch keine Netflix-Serien reinziehen konnte.
Die KI wird auf Basis eines 600 Millionen Wörter umfassenden Quellenkorpus trainiert. Das ist nicht nur die bisher größte digitale Sammlung griechischer Quellen, sondern auch ein klares Zeichen dafür, dass die ÖAW die KI tatsächlich mit der Lektüre von Homers "Odyssee" traktiert hat. Man stelle sich vor, wie die KI seitenweise antiken Textbrei verarbeitet: "Blah blah Trojanischer Krieg, blah blah Heldentaten, blah blah Odysseus kommt nach 10 Jahren endlich nach Hause, aber die Katze erkennt ihn nicht wieder."
Projektleiterin Anna Dolganov schwärmt von den Anwendungsmöglichkeiten: "Die KI kann zum Beispiel eine Million griechischer Papyri entschlüsseln, die noch nie gelesen wurden." Na klar, warum auch? Die Papyri haben ja auch keine Social-Media-Accounts, über die sie ihre Geheimnisse preisgeben könnten. Und jetzt kommt die KI und liest ihnen einfach so in die Schriftrollen. Das ist ja wie Facebook für Archäologen.
ÖAW-Präsident Faßmann betont, dass "alte Sprachen und Künstliche Intelligenz kein Widerspruch" seien. Na danke für diese bahnbrechende Erkenntnis! Ich dachte immer, KI und Altgriechisch wären so inkompatibel wie ein Laptop und eine Wachstafel. Aber offenbar hat die ÖAW den Mythos widerlegt, dass Computer nur mit modernen Sprachen umgehen können. Als nächstes entwickeln sie bestimmt eine KI, die altägyptische Hieroglyphen interpretiert und dabei ständig "All work and no play makes Jack a dull boy" tippt.
Kritiker bemängeln, dass die KI ausgerechnet nach einem Gott benannt wurde, der für seine menschlichen Schwächen bekannt war. Apollo galt als eifersüchtig und rachsüchtig - wird die KI also auch Texte löschen, wenn sie sich von rivalisierenden KIs bedroht fühlt? Und was passiert, wenn sie Texte findet, die ihren göttlichen Schöpfern nicht gefallen? Löscht sie dann kurzerhand ganze Absätze, weil sie meint, das sei "im Sinne der Forschung"?
Die Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply stellen die europäische Infrastruktur zur Verfügung. Das ist natürlich praktisch, denn so kann die KI ihre Daten auch nach europäischen Standards verarbeiten. Keine Sorge, Apollo wird keine NSA-typischen Datenbanken anlegen, sondern nur ganz normale altgriechische Textarchive. Obwohl, bei einer Million ungelesener Papyri kann man sich ja mal fragen, ob das nicht auch eine Art "Big Data" ist.