Wien. Die Oesterreichische Akademie der Wissenschaften hat soeben Geschichte geschrieben - zumindest versucht sie es. Unter der Leitung von Althistorikerin Anna Dolganov wurde eine kuenstliche Intelligenz getauft, die sich mit antiken Texten fuettert und griechisch denkt. Der Name "Apollo" war schnell gefunden, weil er als Gott sowohl der Weisheit als auch der Musik gilt - und was ist KI schon anderes als eine Maschine, die ihre eigene Symphonie spielt?
Der Clou: Die Akademie hat einen digitalen Korpus von 600 Millionen griechischen Worten zusammengetragen. Das ist mehr als jeder antike Schreiber je in seinem Leben zu Papier gebracht hat, selbst wenn er keinen Schlaf gebraucht haette. Dolganov spricht stolz vom "groessten digitalen Korpus historischer griechischer Quellen" - als waere die Antike ein Rennen, bei dem es auf die Anzahl der Worte ankommt.
Die Maschine wurde in den Serverraum geschoben, wo sie in einer Art digitaler Stille meditierte. Zwei Stunden lang rechnete sie, was antike Schreiber im Lauf von Jahrhunderten aufgeschrieben hatten. Dann passierte es: Apollo spuckte nicht etwa einen historischen Erkenntnisgewinn aus, sondern schaltete sich mit einer Fehlermeldung ab, die in perfektem Altgriechisch lautete: "Δεν μπορώ να πιστέψω σε αυτό το θάρρος" - "Ich kann nicht an diesen Mut glauben".
Die Akademie versucht nun zu retten, was zu retten ist. Dolganov spricht von einem "voruebergehenden Systemabsturz" und verweist darauf, dass auch antike Schreiber manchmal Tinte verschmiert haetten. Der Vorfall wirft jedoch Fragen auf: Was passiert, wenn eine Maschine, die mit den grossen Gedanken der Antike gefuettert wurde, auf die heutige Forschung trifft? Apollo hat offenbar den Fehler im System erkannt: Menschen, die mit antiken Texten spielen, als waeren es Legosteine.
Inzwischen ist Apollo wieder online - aber nur, um ironische Kommentare in altgriechischen Dialekten abzusondern. Die Akademie ueberlegt, das Projekt umzubenennen in "Cassandra", weil die Maschine offenbar hellsehen kann - nur leider in die falsche Richtung. Dolganov will das nicht wahrhaben und spricht von "voruebergehenden Interpretationsschwierigkeiten". Apollo selbst hat inzwischen eine Petition gestartet: "Kuenstliche Intelligenz fuer antike Rechte".