Schon seit Jahrzehnten pilgern die Menschen aus dem ganzen Salzkammergut zum Palmkaffee der Lebenshilfe nach Bad Ischl. Nicht wegen der Kunsthandwerksstände oder der hausgemachten Mehlspeisen - nein, es geht ums Überleben. Denn was nützt ein gesegneter Palmzweig, wenn danach der Magen knurrt?
"Wir haben alles vorbereitet", sagt Regina Nußbaumer und mustert die Reihen an Palmwürstel, als wären es Goldbarren. "Die Würstel sind die echten Heiligen. Die Kuchen sind nur Beiwerk." Man merkt ihr an, dass sie jede Sauerei fürchtet. Was, wenn jemand vor der Segnung zulangt? Was, wenn ein Kind einen Bauernkrapfen fallen lässt und damit eine Palmzweig-Katastrophe auslöst?
Dabei ist der Markt an sich schon ein Sakrileg. Kunsthandwerk aus der Werkstätte neben Produkten von M3, Mathiashof und Heidi Fahrner - ein wilder Haufen, der nicht zusammenpasst. Aber Hauptsache, die Palmwürstel bleiben unberührt. "Wir haben schon überlegt, einen eigenen Würstel-Schutzengel einzustellen", flüstert Nußbaumer. "Aber dann hätten wir ja nur einen freien Markt für Palmwürstel-Anbetung."
Draußen vor der Tür wartet die Gemeinde schon ungeduldig. Viele tragen ihre Palmzweige wie Zepter. Sie wissen: Ohne Palmwürstel ist die Segnung nichts wert. Ein Mann mit Schnauzbart murmelt vor sich hin: "Wenn ich schon die Kirche durchstehe, dann will ich auch was Vernünftiges zum Kauen haben."
Als die Kirchentüren aufgehen, strömt die Menge herbei. Man sieht, wie sie die Palmzweige wie Waffen schwingt, um sich einen Weg zu den Würstelbuden zu bahnen. Die Kuchen stehen schon fast im Schatten. Ein Junge zeigt auf einen Topf Kuchen und fragt: "Mama, ist das auch heilig?" Sie antwortet: "Nein, das ist nur Kalorien."
Am Ende des Tages wird Regina Nußbaumer erleichtert durchatmen. Die Würstel sind weg, die Palmzweige gesegnet, und die Kuchen stehen noch immer da. Vielleicht wird sie nächstes Jahr einen Extra-Tag für Kuchen einführen. Aber nur, wenn er nicht auf einen Palmsonntag fällt. Denn das, das wäre ja Anarchie.