Manchmal muss man staunen, wie die österreichische Verkehrspolitik es schafft, aus einem Problem drei zu machen. Da wird die Wiener Stammstrecke für 14 Monate gesperrt, und die einen fordern Busse, die anderen sagen, Busse seien Mist, und die Bahn selbst baut unterdessen ein U-Bahn-Netz aus, das angeblich alles auffangen kann.
Die Grünen haben eine Petition gestartet - weil man in der Politik ja nie ohne Petition irgendetwas bewegen kann. Sie fordern Ersatzbusse für die Pendler aus Niederösterreich. Warum? Weil 250.000 Menschen täglich die Stammstrecke benutzen und wenn die weg ist, werden sie ja wohl alle in die U-Bahnen und Straßenbahnen drängen. Und weil 250.000 in die U-Bahn zu quetschen, ja wohl nicht funktionieren wird mit bloßer Taktverdichtung. Da hilft nur noch: Bus. Ein Bus, der dann aber im Stau steht, weil alle anderen auch mit Bus fahren wollen.
Die ÖBB hingegen haben sich die Sache natürlich genau angeschaut. Mit Experten vom Österreichischen Institut für Raumordnung, das klingt ja schon mal sehr seriös. Und die Experten haben gesagt: Nein, Ersatzbusse bringen nichts. Weil ein Bus weniger fasst als eine U-Bahn und weil Busse im Stau stehen. Das ist jetzt keine besonders überraschende Erkenntnis, aber immerhin wird sie offiziell bestätigt.
Was die ÖBB stattdessen anbieten? Mehr U-Bahnen, häufigere Abfahrten, ein Direkt-Shuttlebus zwischen Meidling und Längenfeldgasse - also genau das, was sie selbst vorher als unzureichend bezeichnet haben. Aber Hauptsache, man hat eine Lösung, die nicht Bus heißt.
Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) lässt über seinen Sprecher ausrichten, dass sich Fahrgastströme neu verteilen und das bestehende öffentliche Verkehrsnetz bei entsprechenden Begleitmaßnahmen zusätzliche Fahrgäste aufnehmen kann. Das klingt sehr zuversichtlich und erinnert an die Zeit, als man sagte, die Flüchtlinge würden sich schon integrieren und die Arbeitslosen würden sich schon Arbeit suchen. In der Theorie funktioniert das alles wunderbar.
Dabei ist das eigentliche Problem ganz woanders: Wenn 250.000 Menschen täglich eine Strecke benutzen und diese plötzlich wegfällt, dann muss man sich schon etwas einfallen lassen. Aber anscheinend sind alle damit beschäftigt, ihre eigenen Lösungen vorzuschlagen, ohne auf die anderen zu hören. Die Grünen fordern Busse, die ÖBB sagen, Busse sind schlecht, der Minister sagt, alles wird gut - und die Pendler stehen am Ende da und fragen sich, wie sie jetzt eigentlich zur Arbeit kommen sollen.
Vielleicht sollte man einfach mal alle zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden. Aber das wäre ja zu einfach. In Österreich löst man Verkehrsprobleme lieber, indem man drei verschiedene Lösungen gleichzeitig anbietet und hofft, dass sich schon irgendwie alles fügt. Und wenn nicht, dann ist es eben die Schuld der Autofahrer, die ja ohnehin immer schuld sind.