In Klöch hat der Horror Einzug gehalten. Nicht mit Axt und Kettensäge, sondern mit sechs Beinen und Flügeln. Die amerikanische Rebzikade hat die Weinregion fest im Griff und verbreitet dort die Goldgelbe Vergilbungskrankheit, die für Winzer schlimmer ist als ein Sommertheater ohne Klimaanlage.
"Es ist ein Wahnsinn. In Klöch brennt der Hut", sagt Christian Kurz, der Obmann des Weinbauvereins, mit dramatischer Stimme. Dabei hat er seinen Hut sicher noch nicht verloren, aber die Nerven liegen blank. Seit die Larven im Mai schlüpfen und ab Mitte Juli die erwachsenen Zikaden wie kleine, gefräßige Kampfjets durch die Luft schwirren, herrscht Ausnahmezustand.
Die Zikaden haben die Weinbauern in die Knie gezwungen. Sie verbreiten die Vergilbungskrankheit wie ein viraler TikTok-Trend, nur dass es hier nicht um Tanzschritte geht, sondern um das Absterben der Rebstöcke. Die Bekämpfung bedeutet: roden, roden, roden. Und das ist für manche Winzer schwieriger als eine Steuererklärung.
"Erkläre einmal einem 90-jährigen Hobbygärtner, dass er seine paar Reben ausreißen muss, die seit Jahrzehnten bei ihm im Garten stehen", sagt Kurz resigniert. Stellen Sie sich das vor: Ein betagter Herr steht weinend vor seinem Rebstock, der ihm über die Jahre zum Seelenverwandten geworden ist, und soll jetzt die Schere ansetzen. Brutal.
Die neue Taskforce mit ihren 15 Mitgliedern ist die Spezialeinheit gegen die Zikadenplage. Sie sollen Winzer und Hobbygärtner bei der Bekämpfung helfen. Klingt wie eine coole Truppe aus einem Actionfilm, ist aber eher eine Gruppe von Experten mit Klemmbrettern und ernstem Gesichtsausdruck.
Und dann sind da noch die Strafen. Bis zu 30.000 Euro, wenn man eine erkrankte Pflanze nicht rodet. Das ist mehr als eine Luxus-Mitgliedschaft im Golfclub. Die Winzer schauen jetzt ganz genau hin, ob jemand einen kranken Rebstock versteckt hält. Misstrauen wächst wie Unkraut.
Bürgermeister Daniel Tegel schickt Briefe an die Besitzer von Kellerstöckeln. Wahrscheinlich mit der freundlichen Bitte, ihre Weinhecken zu kontrollieren. Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihren Briefkasten und finden eine offizielle Aufforderung zur Zikadenbekämpfung. Urlaub in Klöch ist jetzt also nicht nur eine Erholungsfahrt, sondern eine potenzielle Mission für die Weinbaupolizei.
Die Winzer setzen auf Zusammenhalt. Sie sprechen Nachbarn aktiv auf ihre Weinhecke an. Das ist jetzt die neue Klatschthema bei den Grillereinladungen: "Sag mal, hast du deine Reben schon kontrolliert?" Klingt wie eine moderne Version von "Hast du schon den Rasen gemäht?"
Alois Gollenz, Obmann der Eruptions-Winzer, betont die Einigkeit. Die Winzer halten zusammen wie eine WG in der Prüfungsphase. Sie haben Taskforces gebildet, die informieren und unterstützen. Das klingt nach einer Unterstützungsgruppe für Zikaden-Opfer.
Am Ende bleibt die Frage: Wer gewinnt diesen Kampf? Die Zikaden mit ihrer Vermehrungskunst oder die Winzer mit ihrer Hartnäckigkeit? In Klöch jedenfalls brennt der Hut, und es bleibt spannend, ob er am Ende noch auf dem Kopf oder in der Asche liegt.