Die Dreierkoalition hat's sich in den Koalitionspapieren fest vorgenommen: Österreich bekommt eine einheitliche Sozialhilfe. Ein schöner Traum, wenn da nicht die Bundesländer wären. Die haben nämlich plötzlich alle ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie man den Armen am besten helfen kann.
In Wien bezahlt man noch großzügig - da kann man sich noch einen fetten Schnitzelkirtag pro Woche leisten. In Kärnten hingegen wird schon geprüft, ob man die Sozialhilfe nicht künftig in Naturalien auszahlt. Da gäbe es dann vielleicht statt Geld einen Sack Kartoffeln und ein paar Fische aus dem Wörthersee.
Der steirische Soziallandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) ist da schon deutlich radikaler. "In der Steiermark haben wir ein ganz strenges Sozialhilfegesetz. Da darf man nicht nur nicht ins Ausland, da darf man auch nicht mehr als zweimal am Tag aufs Klo." Das spare eine Menge Klopapier und Wasser, sagt Amesbauer.
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) gibt sich nach außen gelassen. "Ich begrüße es, wenn sich viele Köpfe Gedanken zur Sozialhilfe-Reform machen", sagt sie. "Das unterstreicht, wie wichtig das Thema ist." In Wahrheit ist sie aber längst am Verzweifeln. "Wenn jeder noch seine eigene Sau durchs Dorf treibt, wird das nie was mit der Vereinheitlichung", schimpft sie hinter vorgehaltener Hand.
Und so wird aus dem großen Traum von der einheitlichen Sozialhilfe wohl nichts. Stattdessen wird es weiterhin 9 verschiedene Systeme geben. Mit 9 verschiedenen Tagessätzen. Und 9 verschiedenen Ansprüchen für Kinder. Das wird dann hoffentlich irgendwann 9 mal 9 gleich 81 unterschiedliche Leistungen.
Aber hey, was solls. Die Betroffenen werden's schon irgendwie regeln. Und wenn nicht, dann sind sie ja arm und brauchen ohnehin Hilfe. Das hat ja schließlich auch noch niemandem geschadet. Also Kopf hoch und durch die Krise!