Wer hätte gedacht, dass sich die wichtigsten Sportfunktionäre Österreichs zu einem Gipfel treffen, bei dem kein einziger Sportler zu Gesicht kommt? Genau das passierte in Kärnten, wo Landeshauptmann Peter Kaiser seine Amtskollegen zum zweitägigen Symposium der sportpolitischen Bedeutungsschwängerung lud.
"Wir müssen Synergien optimal nutzen", betonte Kaiser bei der Pressekonferenz, bei der er gemeinsam mit seinen Kollegen die wichtigsten sportpolitischen Themen präsentierte. Darunter natürlich die tägliche Turnstunde, die in Kärnten bereits so erfolgreich umgesetzt wird, dass mittlerweile genau zwei Kinder pro Schule daran teilnehmen.
Besonders amüsant war die Diskussion um die Finanzierung von Großsportveranstaltungen. Während die Funktionäre in warmen Konferenzräumen saßen, kämpfen Vereine im ganzen Land mit undichten Dächern und maroden Anlagen. Aber klar, da muss man erst mal das Image des Landes mit Großveranstaltungen polieren, bevor man in die Basis investiert.
Die "Tägliche Turnstunde" wurde als revolutionäres Konzept gefeiert. In Kärnten läuft sie bereits so erfolgreich, dass die Kinder dort jetzt sogar zwei Stunden pro Woche in Bewegung sind. Eine Sensation! Dabei wurde natürlich völlig ausgeblendet, dass viele Schulen gar keine ausgebildeten Sportlehrer haben und mit Quereinsteigern jonglieren müssen.
Ehrenamtliche wurden ebenfalls gelobt. "Ohne sie würde es viele Sportangebote nicht geben", betonte Kaiser. Dabei dürfte er die tausenden ehrenamtlich tätigen Trainer, Betreuer und Vorstandsmitglieder vergessen haben, die seit Jahren auf bessere Rahmenbedingungen hoffen. Aber hey, ein Versicherungsschutz ist ja auch was Feines!
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt berichtete stolz, dass mittlerweile 4.000 Bewegungscoaches im ganzen Bundesgebiet unterwegs seien. Eine beeindruckende Zahl, bis man merkt, dass das pro Bundesland gerade mal ein paar Hundert sind. Da kann ja jeder Fünfjährige die Sportstunde alleine leiten.
Besonders kurios war die Debatte um Leistungszentren. Während die Funktionäre darüber philosophierten, wie man Talente aus dem Breitensport herausholt, sitzen diese Talente oft in überfüllten Hallen, weil der Verein sich keine zweite Trainingszeit leisten kann. Aber klar, vorher baut man lieber ein Leistungszentrum, in dem die Besten dann unter optimalen Bedingungen trainieren können. Die anderen 99% können ja weiterhin in der Asche wühlen.
Zum Abschluss gab es noch ein Gruppenfoto, auf dem die Funktionäre stolz ihre sportlichen Verdienste demonstrierten. Keiner von ihnen hatte dabei auch nur ansatzweise eine Sportuniform an. Aber hey, im Anzug über Sport zu reden ist ja auch eine Art von sportlicher Höchstleistung, oder?