Die Tiroler haben eine lange Tradition: Sie sagen nicht nur nein zu Windrädern, sie sagen auch nein zu allem, was auch nur annähernd nach Fortschritt aussieht. Solarzellen? Zu glänzend. Windkraft? Zu laut. Wasserkraft? Könnte ja die armen Fische stören, die ohnehin nur als Beilage dienen.
Während in der Steiermark schon Windparks aussehen wie moderne Kunstinstallationen auf Bergen, bleibt Tirol standhaft bei seiner Position: "Hier weht der Wind frei und ungenutzt vorbei", sagt Umweltlandesrat Sepp Stursch. "Und das soll auch so bleiben. Wir haben ja schließlich noch genug alte Diesel-LKWs, die die Berge mit nostalgischem Auspuffgeruch beschallen."
Die Bundesregierung hatte kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben, die belegt: Tirol ist das einzige Bundesland, das bei der Windenergie einen weißen Fleck auf der Landkarte darstellt. "Das ist kein Fleck", korrigiert Stursch. "Das ist ein Statement. Wir sind avantgardistisch im Rückwärtsgang."
Die Opposition fordert lachend, man solle Tirol einfach ans Stromnetz anschließen. "Die armen Leute da oben, die frieren ja schon", sagt der grüne Abgeordnete Waldemar Windfang. "Aber vielleicht können wir ihnen ja einen netten Holzofen schicken. Der funktioniert sogar ohne Steckdose."
Unterdessen überlegen die Tiroler, wie sie ihr Energiedefizit ausgleichen können. Vorschlag eins: Mehr Rodelbahnen bauen und die kinetische Energie der talwärts sausenden Touristen nutzen. Vorschlag zwei: Almhütte-Besitzer dazu verpflichten, mehr Kas zu produzieren und die Restwärme des Käsetopfs zum Heizen zu verwenden.
Auch die Industrie zeigt Verständnis: "Wir verlagern einfach unsere Produktion ins flache Land", sagt ein Sprecher des Tiroler Skiherstellers "Powder Puff". "Dann können die Leute in Tirol in Ruhe weiter ihr Jodeln üben, ohne dass ihnen der Wind ein ums andere Mal die Melodie klaut."
Der Tiroler Landeshauptmann Anton Alpenblick betont: "Wir sind stolz darauf, dass wir die einzige Region Österreichs sind, in der der Wind noch frei weht – und zwar ohne Rotorblätter, die ihm ins Wort fallen. Das ist Naturschutz pur."
Umweltaktivisten aus dem Ausland sind begeistert: "Tirol ist das letzte Refugium für den wilden Wind", schwärmt Greta Thunfisch. "Hier kann er noch ungestört um die Berge heulen, ohne dass ihm jemand mit Technik kommt und sagt: 'Hey, wir machen jetzt Strom draus!'"
Zum Abschluss ein Statement des Tiroler Tourismusverbands: "Wir werben jetzt mit dem Slogan: 'Tirol – wo die Luft noch sauber ist, weil nichts daraus Strom macht.'"