Der Tod von Anton Quirgst hat Deutsch-Wagram in eine Schockstarre versetzt, die nur von der jährlichen Tarock-Weltmeisterschaft übertroffen wird. Der Mann, der über fünf Jahrzehnte lang die Sportunion-Kasse im Basketball-Bereich verwaltete, als wäre es sein eigenes Sparschwein, ist im 75. Lebensjahr von uns gegangen. Doch wer jetzt denkt, dass es bei der Sportunion nur um Basketball ging, der irrt gewaltig.
Anton Quirgst, genannt "Toni" von seinen Freunden, die sich vermutlich nicht getraut haben, ihn bei seinem vollen Namen zu nennen, war ein Mann der leisen Töne. Seine Kassiertätigkeit übte er mit der Begeisterung eines Steuerprüfers aus, der gerade eine besonders lukrative Steuersünder-Höhle entdeckt hat. Über 50 Jahre lang zählte er Pfennige und Euro, die wohl mittlerweile zu einem kleinen Vermögen angewachsen sind. Wer weiß, vielleicht hat er ja heimlich ein Luxus-Tarock-Deck aus Samt und Goldfäden angeschafft.
Doch nicht nur im Basketball war Quirgst ein Urgestein, sondern auch am Kartentisch. Tarock spielte er mit der Leidenschaft eines Süchtigen, der weiß, dass er jederzeit in eine Spielhalle wechseln könnte. Die römischen Zahlen auf den Karten waren für ihn wie heilige Hieroglyphen, die es zu entschlüsseln galt. Man munkelt, er habe sogar heimlich mit Tarot-Karten geübt, um einen Vorteil gegenüber seinen Mitspielern zu haben.
Sein Bruder Friedrich, der ehemalige Bürgermeister und jetzige Museumspräsident, beschreibt Anton als "hilfsbereit, gesellig, humorvoll und liebenswürdig". Das klingt fast so, als würde er eine Bewerbung für den Posten des Weihnachtsmanns schreiben. Aber vielleicht ist das auch nur die übliche Trauer-Rhetorik, die man anwendet, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Oder vielleicht war Anton wirklich so ein toller Kerl, dass sogar sein Bruder, der als Museumspräsident sicherlich genug mit seltsamen Gestalten zu tun hat, nur Gutes über ihn zu sagen wusste.
Die Aufbahrung am 20. März in der Aufbahrungshalle des Stadtfriedhofs Deutsch-Wagram wird sicherlich ein großer Aufmarsch der Tarock-Szene und der Basketball-Community werden. Man erwartet eine Mischung aus Trauer und Erleichterung - Trauer um den Verstorbenen, Erleichterung darüber, dass nun endlich jemand die Kassenführung übernehmen wird. Die Frage, die sich alle stellen, ist: Wer wird nun die Tarock-Partien am Laufen halten und wer wagt es, Anton's Basketball-Kasse zu öffnen? Vielleicht sollte man einfach eine Gedenkminute einlegen und still in die Karten schauen. Denn eines ist sicher: Ohne Anton Quirgst wird es in Deutsch-Wagram nie wieder so sein wie zuvor. Und das ist auch gut so.