Wenn sich am Mittwochnachmittag auf steirischen Landstraßen eine 23-Jährige mit slowenischem Kennzeichen nähert, sollten alle anderen Verkehrsteilnehmer sofort die Notbremse ziehen. Das hat die Freiwillige Feuerwehr Hofstätten jetzt auf die harte Tour gelernt. Die junge Dame hatte offenbar die Gnaserstraße mit einer abgesperrten Rennstrecke verwechselt und wollte wohl die Bestzeit für die "Ralley um den Bezirk Südoststeiermark" aufstellen.
Was als harmloses Überholmanöver begann, endete in einer Kettenreaktion, die selbst Hollywood-Stuntkoordinatoren zur Bewunderung gereicht hätte. Die 23-Jährige raste mit ihrem Pkw in einen Kreiselschwader, der an einem Traktor hing - ein Gerät, das normalerweise dazu dient, Heu zu zerkleinern, nicht aber Autos. Der Schwader verstand die Welt nicht mehr und schleuderte das Auto zurück auf die Straße, wo es dann noch drei weitere Fahrzeuge touchierte.
Die Freiwillige Feuerwehr Hofstätten, die normalerweise bei echten Bränden und Unfällen hilft, musste jetzt ausgerechnet als mobile Autowerkstatt fungieren. Sechs Kameraden räumten die Unfallstelle auf, während sich die sechs Kameraden der FF Mureck fragten, ob sie sich vielleicht versehentlich für die "Feuerwehr-Comedy-Truppe" gemeldet hatten. Beide Wehren hätten wahrscheinlich lieber ihre Zeit mit einem gemütlichen Kaffeeplausch verbracht, als Autos aus dem Straßengraben zu bergen.
Die slowenische Lenkerin hatte zum Glück nicht zu viel getrunken - ihr Alkotest war negativ. Das bedeutet, sie war nüchtern genug um zu wissen, was sie tat, aber offenbar nicht nüchtern genug um zu begreifen, dass die Gesetze der Physik auf steirischen Landstraßen genauso gelten wie auf der Autobahn. Die Polizei ermittelt nun, ob die 23-Jährige vielleicht eine heimliche Formel-1-Trainingslager-Veranstaltung in Slowenien besucht hat, bei der man den Teilnehmern beibringt, dass "Vorfahrt" ein Fremdwort ist.
Die steirische Verkehrsbehörde überlegt nun, künftig bei Führerscheinprüfungen nicht nur theoretisches Wissen abzufragen, sondern auch praktische Tests wie "Erkennen einer Gegenfahrbahn" und "Einschätzen der eigenen Fahrkünste". Vielleicht sollte man auch eine Altersbegrenzung für besonders ambitionierte Fahrer einführen - ab 23 sollte man nämlich langsam begriffen haben, dass das eigene Auto kein Spielzeug ist und die Straße kein PlayStation-Spiel.
Die Freiwillige Feuerwehr Hofstätten hat inzwischen eine neue Einsatzregel aufgestellt: Bei nahenden Fahrzeugen mit slowenischem Kennzeichen und besonders jungem Fahrpersonal sofort in Deckung gehen und auf das Beste hoffen. Vielleicht sollte man auch einen eigenen Notruf einrichten: "Feuerwehr, kommt schnell, hier rast wieder eine 23-jährige Slowenin über die Gnaserstraße!"