Villach erlebt derzeit eine Art kollektive Erkenntnis, die normalerweise nur nach zu vielen Glühweinen auf Weihnachtsmärkten auftritt: Tiere sind offenbar nicht nur niedliche Instagram-Models, sondern auch anspruchsvolle Mitbewohner mit nächtlichen Krisen. Die Stadtverwaltung steht vor einer Zerreißprobe der besonderen Art - wie lässt sich ein System etablieren, das garantiert, dass Herr Doktor Huber um 2:47 Uhr morgens nicht nur für einen Goldfisch mit Kreislaufproblemen verfügbar ist, sondern auch noch gut gelaunt?
Die Initiative, die von der FPÖ und der Fraktion "Verantwortung Erde" (ein Name, der so klingt, als hätte man ein Hippie-Kommune mit einer Umweltschutzorganisation gekreuzt) vorangetrieben wird, hat System. Bisher mussten Kärntner Tierbesitzer im Notfall improvisieren - entweder mit dem nächsten verfügbaren Tierarzt, der gerade Netflix schaute, oder mit dem Anrufbeantworter der Tierklinik, der einen mit endlosen Menüpunkten durch die Nacht führte. "Wer im Notfall Hilfe sucht, darf nicht vor verschlossenen Türen stehen", betont Katrin Nießner. Und wer hätte das gedacht - genau das ist der Punkt, an dem die Satire beginnt: Wer hat jemals eine Tür gesehen, die einem Hamster den Weg versperrt?
Der Plan sieht vor, die bisherige "Freiwilligkeitshölle" durch ein "stabiles, öffentlich mitfinanziertes System" zu ersetzen. Gerald Dobernig von "Verantwortung Erde" spricht von einer "rasch realisierbaren" Lösung. Man fragt sich, ob er dabei an die Wiener Linien denkt, die ebenfalls als "rasch realisierbar" gelten, aber seit Jahrzehnten an der Pünktlichkeit arbeiten. Die geschätzten Kosten von 120.000 Euro pro Jahr werden als "tragbar" bezeichnet - zumindest dann, wenn man bedenkt, dass ein einziger Notfall mit einem traumatisierten Wellensittich, der plötzlich seine Lebensentscheidungen hinterfragt, leicht das Dreifache kosten könnte.
Die ÖVP hat zwar die Dringlichkeit der sofortigen Umsetzung hinterfragt, aber zumindest den Konsens über das Ziel erreicht. Das klingt verdächtig nach jener Art von politischer Übereinstimmung, bei der alle einer Meinung sind, aber niemand so recht weiß, wie es weitergehen soll. Man stelle sich vor, die Gemeinderäte würden sich darauf einigen, dass Wasser nass ist - und dann drei Stunden darüber debattieren, ob es sich links oder rechts herum nass anfühlt.
Die eigentliche Pointe dieser Geschichte ist jedoch die Tatsache, dass nun das Land Kärnten am Zug ist. Man kann sich bereits die nächste Sitzung vorstellen: Eine Kommission aus Verwaltungsbeamten, die versucht zu klären, ob ein Hamster, der nachts um 3 Uhr seine Räder-Drehzahl erhöht, tatsächlich ein Notfall ist oder einfach nur besonders motiviert. Die bürokratische Abwägung zwischen "existenzielle Krise" und "einfach nur quengelig" wird wohl zum neuen Volkssport in Kärnten werden. Und wer weiß - vielleicht wird aus diesem Vorhaben ja tatsächlich etwas Vernünftiges. Zumindest dann, wenn man unter "Vernünftig" versteht, dass endlich jemand für den Fall gerüstet ist, dass der Familienhund mitten in der Nacht existentialismus-gefärbte Bellattacken startet.