Es ist ein modernes Wunder geschehen im niederoesterreichischen Wolfpassing. Wo vor wenigen Wochen noch ein dickes Minus von 139.500 Euro im Budget stand, da leuchtet ploetzlich ein Plus von 109.480 Euro von der Excel-Tabelle. Das ist nicht nur erfreulich, das ist fast schon verdaechtig.
Friedrich Salzer, Buergermeister der scheinbar gluecklichsten Gemeinde Oesterreichs, steht vor seiner Mannschaft und strahlt wie ein Kind, das eine verlorene 20-Euro-Note im Wintermantel findet. "Das kumulierte Haushaltspotenzial liegt sogar ueber 300.000 Euro", verkuendet er stolz. Man koennte meinen, er habe die Lotterie gewonnen, aber nein - es ist nur die Gemeinde-Buchhaltung, die mal keinen Fehler gemacht hat.
"Damit haben wir gewissen Spielraum fuer ausserordentliche Projekte", froettelt Salzer weiter. Und man malt sich sofort aus, was das heissen koennte: Eine goldene Gemeindewaage zur genauen Bestimmung des Buergermeister-Gewichts? Ein Swarovski-Kristall-Wasserhahn fuer den Buergermeistersitz? Oder doch eher eine lebensgrosse Statue des Buergermeisters aus purem Oesterreich-Bronze?
Die Finanzexpertin der Gemeinde, die seit drei Tagen vor Freude keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, haelt sich die Hand vor den Mund und flüstert: "Ich glaube, ich habe die Nullen verwechselt. Oder war es die Kommastelle?" Aber nein, es ist alles korrekt. Die Zahlen luegen nicht - zumindest nicht in Wolfpassing.
Buergermeister Salzer plant bereits den grossen Festakt zur Feier des Plus-Ergebnisses. Es soll ein Volksfest werden, bei dem jeder Buerger eine Gratis-Wienerle bekommt und der Buergermeister persoenlich die Wuerstel ueberreicht. Als Highlight ist ein Budget-Lichtspektakel geplant, bei dem 109.480 Euro in Form von Leuchtdioden über der Gemeinde leuchten sollen.
Die Opposition in Wolfpassing reagiert baff. "Ich wusste gar nicht, dass wir so viel Geld haben", gesteht die FPÖ-Gemeinderätin. Die SPÖ verlangt eine unabhängige Pruefung, ob nicht vielleicht ein Rechenfehler vorliegt. Die Grünen schlagen vor, das Plus gleich in Klimaschutzprojekte zu investieren - am besten in eine Solaranlage fuer das Buergermeistersitz-Büro.
Experten sprechen bereits vom "Wolfpassing-Effekt" - einem Phänomen, bei dem Gemeinden plötzlich mehr Geld haben, als sie dachten. Manche vermuten einen neuen Trend: Budget-Yoga, bei dem man sich mental auf Plus-Zahlen einstimmt. Andere glauben, es sei die neue Form des Placebo-Effekts: Wenn man fest genug daran glaubt, dass das Budget stimmt, dann stimmt es auch.
Buergermeister Salzer jedenfalls schwebt auf Wolke 7 - oder besser gesagt, auf Budgetwolke 7. Er plant bereits die nächsten Schritte: Eine Gemeinderatssitzung im Wellness-Hotel, eine Budget-Party mit Freibier für alle, und vielleicht, ja vielleicht, ein neues Gemeinde-Wappen mit einem Dollarzeichen darin.
Die Moral von der Geschicht? In der Finanzwelt kann aus einem Minus ein Plus werden - und manchmal ist das gar nicht so schlecht. Ausser natürlich, man ist Buchhalter in Wolfpassing und muss das alles dokumentieren. Dann wuenscht man sich vielleicht doch wieder die guten alten Minuszahlen herbei.